Niemand macht Eure Kinder schwul!

Bildungsplan 2015! Fünf Gründe warum sich alle mal etwas entspannen sollten.

Der neue Bildungsplan für Baden-Württemberg soll das Thema sexuelle Vielfalt im Schulunterricht fächerübergreifend behandeln. Ziel ist es, den Kindern einen offeneren und selbstverständlicheren Umgang mit Homo- und Transsexualität zu vermitteln. Das wiederum passt so einigen konservativen Gruppen gar nicht in den Kram.

Als ich kürzlich zu Besuch in meiner Heimat, unserer liebsten Schwabenmetropole Stuttgart war, bin ich zufällig in die Demonstration gegen die Bildungsplanreform 2015 gelaufen. Und es hat mich schon sehr erschrocken, mit welchen Parolen da gegen die vermeintlich frühzeitige Sexualisierung von Kindern demonstriert wird. Nun fand am vergangenen Wochenende in Stuttgart bereits die dritte Demo gegen diese Reform statt. Banner mit der Aufschrift ‘Schritt zur Legalisierung der Pädophilie?’ werden da durch die Landeshauptstadt getragen. Sorry Leute, aber da komm ich echt nicht mehr mit. Völlig argumentationsarm, unreflektiert und zusammenhangslos wird gegen eine Reform demonstriert, die versucht, das Leben nicht-heterosexueller Menschen ein wenig einfacher zu machen.

Für alle panischen Reformgegner sind hier fünf Gründe, warum Ihr Euch einfach mal entspannen solltet:

1. Keiner will Eure Kinder schwul machen!

Vielleicht habt Ihr es noch nicht verstanden, aber niemand sucht sich seine Sexualität aus. Daher verspreche ich Euch hiermit, dass keines Eurer Kinder schwul, lesbisch, bi oder transsexuell wird, nur weil ihm beigebracht wird, dass es auch andere Sexualitäten als Heterosexualität gibt. Was passieren wird, ist, dass ein Kind, das anders fühlt als andere Kinder, mit seinen Gedanken nicht allein gelassen wird. Es wird früh das Gefühl bekommen, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Kann das falsch sein?

2. Keiner will Euren Kinder etwas über Sex erzählen!

Ich frage mich, ob Ihr, bevor Ihr Eure Banner bastelt und auf die Straße geht, mal den Bildungsplan gelesen habt? Habt Ihr Euch selbst mal mit Sexualität auseinandergesetzt? Ich wundere mich nämlich sehr, woher die Idee kommt, dass den Kindern etwas über Sexpraktiken beigebracht werden soll. Auch, wenn sich das Wörtchen ‘Sex’ in Homosexualität versteckt (übrigens ebenso in Heterosexualität), bedeutet das nicht, dass es nur um das Eine geht. Kindern soll ausschließlich beigebracht werden, dass alle Sexualitäten gleichberechtigt sind. Keiner will ihnen erzählen, was homosexuelle Menschen im Bett treiben. Auch bei Homosexualität geht es um Liebe und Zugehörigkeit zu einem Menschen und nicht nur ums Thema Sex.

3. Keiner will Eure Ehen zerstören!

Auch so ein Punkt, der für mich keinen Sinn macht. Ihr denkt, dieser Bildungsplan führt zum Verfall der ‘klassischen’ Ehe. Doch mit der Öffnung der Ehe für Homosexuelle wollen diese doch genau das: die ‘klassische’ Ehe. Viele homosexuelle wollen dieses altbewährte Familienbild. Wieso macht es Eure Ehe kaputt, wenn jemand anderem gestattet wird, sie auch zu leben?

4. Es gibt keine negativen Begleiterscheinungen von Homosexualität!

In einer Petition gegen den Bildungsplan werden ‘höhere Suizidgefährdung’, eine ‘erhöhte Anfälligkeit für Alkohol und Drogen’ sowie ein höheres Risiko von ‘psychischen Erkrankungen’ als negative Erscheinungen von Homosexualität beschrieben. Liebe Leute, all das kommt nicht von der Homosexualität, sondern von Leuten wie Euch, die andere Menschen diskriminieren und für minderwertig erklären. Sind das tatsächlich Eure Sorgen, solltet Ihr also für den Bildungsplan sein. Der wird nämlich dafür sorgen, dass es weniger depressive homosexuelle Jugendliche gibt.

5. Keiner will exklusive Toleranz für Homosexuelle!

Euch stört, dass der Bildungsplan 2015 der sexuellen Identität so viel Aufmerksamkeit schenkt? Und Themen wie ethnische Herkunft, Behinderung, Alter und Religion nicht extra hervorgehoben werden? Gar kein Problem. Auf jeden Fall ein interessanter Punkt. Keiner verlangt, dass nur über Homo- und Transsexualität gesprochen wird. Dann sagt das doch einfach und spart Euch Eure menschenverachtenden und homophoben Plakate.

Ich bin mir sicher, die Gruppe, die gegen die Bildungsreform 2015 in Baden-Württemberg auf die Straße geht, ist kleiner, als die Gruppe der Menschen, die kein Problem mit Homosexualität haben. Hass hat noch niemand glücklich gemacht und Karma is a Bitch! So viel dazu. Lasst uns in Liebe miteinander leben!

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Mittwoch, 09. April 2014