WM-Rückblick: Wie steht die FIFA eigentlich zu Homophobie?

Yeah, wir haben den Pokal! Doch Fußballstar Thomas Hitzlsperger glaubt, das bei der FIFA nicht alle gleichberechtigt sind. Was dran ist, erfahrt Ihr hier.

Langsam verstummen die letzten ‘Schlaaaand’-Rufe, die schwarz-rot-gelbe Schminke ist aus den Gesichtern gewischt und über die Fanmeile in Berlin rollen wieder Pkws. Aber hey, wir sind nach vielen Jahren endlich wieder Fußball-Weltmeister, das darf ausgiebig gefeiert werden. Ein Land ist stolz und das ist auch irgendwie völlig in Ordnung.

Oft wurde während dieser WM über die Schwulenfreundlichkeit der FIFA diskutiert. Gerade nach dem öffentlichen Outing von Thomas Hitzlsperger in diesem Jahr, ein sehr aktuelles Thema. Ich wage einen Rückblick und befürchte, das Thema Homosexualität, ist immer noch ein Schwieriges im Fußballland.

1. ‘So, wie ich die Fifa kenne, hat die das verboten’

Was verboten? Das öffentliche Outing von Fußballern während der WM! Das antwortete zumindest Thomas Hitzelsberger auf die Frage, ob er glaubt, die WM ist der richtige Moment für einen Spieler, sich zu outen. Im WM-Club der ARD verriet der ehemalige Fußballprofi auch, dass er es selber unpassend fände, wenn sich ein Spieler während der WM outen würde.

Klar, es soll bei der WM um den Sport gehen und nicht um die persönlichen Geschichten der Spieler. Sollte tatsächlich ein Outing-Verbot ausgesprochen worden sein, wäre das dann doch sehr paranoid.

2. Homophobe Sprechgesänge sind für die FIFA völlig okay

Nachdem die mexikanischen Fans den brasilianischen Torwart mit ‘Puto’ (frei übersetzt: Schwuchtel) beschimpft haben, leitete die FIFA erst Untersuchungen ein, die sie dann aber schnell wieder einstellte. Die FIFA glaubt, im Zusammenhang mit einem Fußballspiel, ist dieser Ausdruck keine Beleidigung Homosexueller. Komisch, dass die mexikanische Antidiskriminierungsstelle das ganz anders sieht. Die haben sich nämlich gegen die Verwendung des Schimpfwortes ausgesprochen. Während rassistische Beleidigungen (zurecht) von der FIFA verboten sind, sind homophobe Fangesänge scheinbar völlig okay.

3. Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und 2022

Immer wieder beteuert die FIFA, dass sie keine Form von Diskriminierung zulässt. Doch irgendwie fehlt es an Glaubwürdigkeit. Als Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2018 wurde Russland gewählt und für 2022 Katar. Beide Länder sind nicht für ihre Schwulenfreundlichkeit bekannt. Seit dem Gesetz gegen ‘Homosexuellen-Propaganda’ ist es in Russland kaum möglich, offen als Homosexueller zu leben. In Katar steht Homosexualität unter Strafe und kann mit Gefängnisstrafen und Peitschenhieben bestraft werden. Für FIFA-Präsident Sepp Blatter ist das jedoch kein Problem. Er empfiehlt schwulen einfach kein Sex, während der zukünftigen WM zu haben… Ja, so wäre das Problem mit der Diskriminierung dann auch gelöst.

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Es sieht so aus, als könnte die FIFA noch einiges mehr an Engagement gegen Homophobie und Diskriminierung zeigen. Von mir aus müssen sich keine Spieler outen, dennoch glaube ich, wäre das für einen offeneren Umgang mit Homosexualität förderlich. Aber wer weiß, vielleicht gibt es auch einfach keine schwulen Spieler mehr. Klar ist jedenfalls, dass sich die FIFA ihrer Verantwortung bewusster werden muss und stärker gegen Homophobie vorgehen sollte.

Donnerstag, 17. Juli 2014