Knifflige Frage: Wer ist in einer schwulen Beziehung die Frau?

Verflixt und zugenäht! Dabei ist die Antwort doch gar nicht so schwer.

Jedes gleichgeschlechtliche Paar wird früher oder später mit einer scheinbar ganz wichtigen Frage konfrontiert: Wer ist eigentlich bei Euch der Mann und wer die Frau? Selbst ich als Single musste diese Frage schon des Öfteren beantworten – dann meist über die Beziehung anderer oder gerne auch mal so völlig allgemein. Noch kompliziertes wird das Ganze bei einer gleichgeschlechtlichen Ehe. Welche Figuren soll der Kuchenbäcker denn nun auf den vierten Stock der Fondant überzogenen Buttercremetorte stellen?

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Wer sich erst mal vom Schlag der Pauschalisierungskeule erholt hat, kann seine elektronischen Prozesse im Hirn anschmeißen und nach der Antwort suchen, die sich doch eigentlich schon im Wort ‘gleichgeschlechtliche Beziehung’ versteckt. Der Unterschied zu einer heterosexuellen Beziehung ist doch, dass homosexuelle Beziehungen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen stattfinden. Würde eine Frau teil einer schwulen Beziehung sein, wäre die Beziehung nicht mehr schwul.

Ok, ok. In den meisten Fällen ist die Mann-Frau-Frage ja auch gar nicht so wörtlich gemeint. Es geht nicht darum wer den Penis und wer die Vagina hat, sonder darum, wer die weibliche und wer die männliche Position in einer Beziehung einnimmt. Ob das die Frage allerdings smarter macht, bezweifle ich. Wer kocht? Wer bohrt Regale an die Wand? Wer wäscht die schmutzigen Socken? Wer wechselt Reifen und wer weint bei emotionalen Filmen als erster? Gibt es denn wirklich die typische Frau und den typischen Mann samt dazugehöriger Eigenschaften? Ich habe Google mal nach den stereotypen Merkmalen von Männern und Frauen befragt. Et voilà, hier sind die Ergebnisse:

weibliche Eigenschaften:

emotional
sozial orientiert
sicherheitsbedürftig
intuitiv
zärtlich

männlich Eigenschaften:

zielstrebig
ehrgeizig
durchsetzungsstark
Emotionen unter Kontrolle
handwerklich begabt

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Laut Focus Online haben Studien gezeigt, dass man männlichen und weiblichen Hormonen tatsächlich unterschiedliche Eigenschaften zuordnen kann. Testosteron soll beispielsweise für eine besonders gute räumliche Vorstellung sorgen. Für eine verbesserte Sprachfähigkeit und Empathie sorgen dafür eher die weiblichen Geschlechtshormone. Doch der Wissenschaft zufolge sagt das noch lange nichts darüber aus, was nun ein Mann ist und was eine Frau ist. Soziale Geschlechter werden schon früh erlernt. Schon im Kleinkindalter bekommt man meist unbewusst seinen Junge oder Mädchen Stempel samt der dazugehörigen Eigenschaften aufgepresst.

Heutzutage sollten wir allerdings verstanden haben, dass es nicht das eine richtige Verhalten für Männer und das andere Verhalten für Frauen gibt. Männer die Emotionen zeigen können und gerne Kochen hören nicht auf ein Mann zu sein und eine taffe Frau, die gerne in der Garage an ihrem Motorrad rumschraubt, bleibt weiterhin eine Frau. Wir sollten also versuchen uns (und andere) etwas weniger in die strengen Klischees der Geschlechterrollen zu pressen und sein, wie wir sind. Egal ob Boy oder Girl.

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Die Frage, wer der Mann und wer die Frau in einer homosexuellen Beziehung ist, ist also ganz einfach zu beantworten. In einer schwulen Beziehung sind zwei Männer, in einer lesbischen Beziehung sind zwei Frauen – völlig unabhängig ihrer Eigenschaften und Präferenzen am Kochtopf zu stehen oder im Baumarkt Hohlraumdübel zu kaufen.

Montag, 18. April 2016