Happy Family: Dieses Jahr solltet Ihr Eure Eltern unbedingt mit zum CSD nehmen

Vielleicht will auch Mama mal mit halb nackten Jungs tanzen.

Die CSD-Saison ist bereits in vollem Gange. Während in einigen deutschen Städten schon gefeiert wurde, müssen andere noch ein paar Wochen auf ihre Straßenfeste warten. Am vergangenen Wochenende wurde auch in London gefeiert, und weil ich gerade in der britischen Hauptstadt unterwegs bin, habe ich mich mal unter die Menschenmassen gemischt. Und während ich so alleine durch die Straßen von Soho marschiere und mich durch fröhliche Menschenmassen dränge, denke ich mir, wie viel toller das hier wäre, wenn ich jetzt nicht komplett alleine in London unterwegs wäre.

>>> Alle CSD-Termine im Überblick gibt's hier

Natürlich habe ich zuerst an all meine Freunde gedacht, mit denen ich jetzt genüsslich einen Cider schlürfen und viel zu auffällig süße Jungs abchecken könnte. Dann habe ich mich allerdings gefragt, wieso ich noch nie mit meiner Familie beim CSD war? Für einen Familienausflug gibt es doch kaum etwas Besseres als ein Straßenfest. Okay, auf den meisten Straßenfesten laufen nicht ganz so viele halb nackte Menschen herum, aber auch Eure Mama wird nichts dagegen haben einen knackigen Jüngling in knappen Hotpants beim Tanzen zuzusehen.

>>> Das Geheimnis, wie Ihr einen süßen, schwulen Typen kennenlernt

Wenn es ums Thema Coming-out geht, wird oft darüber gesprochen, wie schwierig ein Outing sein kann und mit wie viel Angst es verbunden ist. Dabei gibt es auch viele Eltern, die ihre Kinder unterstützen und einfach immer hinter ihnen stehen. Vielleicht ist der CSD der richtige Ort, um in diesem Jahr die Offenheit und Liebe Eurer Eltern zu feiern. Wahrscheinlich sind Eure Eltern sowieso total neugierig, was Ihr auf dem CSD so treibt, denn Eltern wollen immer wissen, was im Leben ihrer Kinder los ist. Es kann schon manchmal echt nerven, wenn die liebe Frau Mama in regelmäßigen Abständen – gerne auch in den unpassendsten Momenten – durchklingelt, um die neuesten Informationen aus Eurem Leben zu erfahren. Der CSD ist aber genau der richtige Ort, an dem Ihr Eure Eltern an Eurem Leben teilhaben lassen könnt und gleichzeitig jede Menge Spaß habt.

Gleichzeitig können Mama und Papa auch noch was lernen – nämlich über die Geschichte der LGBT-Bewegung. Erklärt ihnen, warum es den CSD überhaupt gibt und für was ihr kämpft (mehr dazu gibt’s nächste Woche bei VIVA Out & Proud). Erklärt ihnen, welche Ungleichheiten es auch heute noch gibt und warum sie mit Euch auf die Straße gehen sollten. Ja, auch Eure Eltern können noch einiges dazulernen und Dinge über die LGBT-Community erfahren, die sie bisher nicht wussten.

>>> Jungs, es ist Zeit, dass Ihr Euch von Eurem imaginären Boyfriend trennt

Nur weil Ihr mit Euren Eltern zum CSD geht, heißt das nicht, dass Ihr nicht mit Euren Freunden feiern könnt. Bringt einfach alle zusammen. Vielleicht lernt Ihr Eure Eltern ja auch noch mal von einer ganz anderen Seite kennen. Denn Mum und Dad verhalten sich beim Kaffeeklatsch bei Tante Irma sicher auch ganz anders, als wenn sie mit Euch zu lauter Musik durch die Straßen tanzen. Und wenn Eure Eltern dann irgendwann genug vom Straßenfest haben und den Abend lieber entspannt vor dem TV verbringen wollen, habt Ihr noch genug Zeit, um mit Euren besten Freunden weiterzuziehen.

Wer weiß, vielleicht wird Euer Familienausflug zum CSD ja schon bald eine Familientradition. Ein Fest, das für Freiheit, Gleichberechtigung und Toleranz steht, ist vielleicht gar nicht mal der schlechteste Ort für ein bisschen Family Love.

Montag, 27. Juni 2016