Ärger um die Gratis-BILD

Campact macht gegen die Zeitung mobil

Gratisproben ergattern, im Designeroutlet shoppen, im Kaufhaus umsonst geschminkt werden, Rabatte abgreifen – Unser Leben besteht aus Schnäppchenjagen.

In Zeiten, in denen Geiz mehr als Geil ist, freut sich die gesamte Republik, wenn es etwas für lau gibt. (Logisch, Smartphone, Ipad und Home-Entertainment reissen ja schon ein beträchtliches Loch in unser aller Budgets!) Also her mit dem Gratis-Kram, auch wenn es “nur” eine Gratis-Zeitung ist. Immerhin handelt es sich bei dem Umsonst-Exemplar um Deutschlands auflagenstärkstes Blatt.

Der Aufreger: Ein Gratisblatt

Aber der Reihe nach: Der Axel-Springer-Verlag plant, pünktlich zum 60. Geburtstag der BILD-Zeitung am 23. Juni diesen Jahres allen Deutschen eine BILD frei Haus zu liefern. Das mutet im ersten Moment einmal nicht schlecht an: Wer sollte sich über ein Geschenk aufregen? Nicht-BILD-Leser könnten das Blättchen ja einfach im Müll entsorgen.

Falsch gedacht! Die Redakteure um ihren Chef Kai Diekmann haben nicht mit dem Sturm der Entrüstung gerechnet, der ihnen nun besonders im Internet entgegenschlägt. Bisher fast 200 000 Bürger wollen partout keine BILD, noch nicht einmal geschenkt und auch nicht im Altpapier. Daher haben die BILD-Gegner ihr “NEIN” auf campact.de registrieren lassen. Die NGO-Vereinigung Campact organisiert seit 2004 Online-Kampagnen, “bei denen sich Menschen via Internet in aktuelle politische Entscheidungen einmischen können” , so die Campact-Homepage.

Die Hintergründe der Kritik an BILD

Nun hat die Kontroverse um das Boulevard-Blatt in Deutschland seit Jahrzehnten Tradition. Dabei stehen nicht unbedingt die beifallsheischenden Überschriften (Die “Asyl-Abzocker”, “Hier stirbt ein Fussballstar”) oder die nackten Girls in der Kritik. Herausgeber Axel Springer, der heute vor 100 Jahren geboren wurde, erklärte in den Sechzigern den Studenten und ihren Revolten den Krieg. Fortan wurde in der BILD polemisch und hetzend berichtet, die Studenten als selbst schuld am Tod von Benno Ohnesorg erklärt, ihnen “SA-Methoden” unterstellt.
Auch in den letzten Jahren wurde der BILD immer wieder Medienhetze vorgeworfen – sei es bei dem Druck auf Sibel Kekilli (die Schauspielerin verweigerte dem Blatt ein Interview, da enthüllte BILD ihre Vergangenheit als Pornodarstellerin), sei es bei der Staatspleite gegen Griechenland oder bei der Kampagne gegen den Bundespräsidenten Christian Wulff. Die Folge? Oftmals wurde das Boulevard-Blatt vom Presserat gerügt. Seit 2004 existiert zudem mit dem bildblog ein Watchblog, der die Zeitungen des Axel–Springer-Verlages kritisch unter die Lupe nimmt: Zum Beispiel Schleichwerbung entlarvt oder Verstöße gegen den Pressekodex herausstellt.

200 000 Einsprüche vs. 40 Millionen BILD-Exemplare

200 000 Einsprüche gegen das Gratisblatt im heimischen Briefkasten können indes keine BILD-Aktion verhindern. Ob die Gratis-Aktion kommt oder nicht, werden sicherlich logistische und monetäre Argumente entscheiden. Fakt ist: Laut dem Tagesspiegel müssten für das Geburtstags-Blatt mehr als 40 Millionen Exemplare gedruckt und ausgeteilt werden.
Wie auch immer, die BILD-Zeitung zu lesen, ist 2012 mehr als gesellschaftsfähig. Die immerwährende und pauschale Kritik am Verlag, Meinungsmache gegen “links” zu betreiben, zieht nicht mehr.

Was meint Ihr: Versteht Ihr die Aufregung um die Gratisausgabe der BILD? Tragt Ihr Euch in die Liste von campact.de ein? Oder seid Ihr selbst BILD-Leser?

Mittwoch, 02. Mai 2012