Behind The Scenes Music Industry: GEMA

Wer ist die GEMA und was macht sie?

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Clubgänger, Clubbesitzer, Veranstalter und alle, die etwas mit Events zu tun haben, haben im Moment einen gemeinsamen Endgegner: Die GEMA. Durch die geplante Tarifreform ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte zum Hassobjekt im Internet geworden. In Statusmeldungen bei Facebook wird die GEMA dazu aufgefordert, schlimme Dinge mit ihrer Mutter zu tun oder eine Toilette aufzusuchen. In diesem Beitrag wollen wir Euch – abseits der hitzigen Diskussion – die GEMA vorstellen und erklären, was sie genau tut und warum.

Was ist die Gema?

Die GEMA sitzt in Berlin und München und sorgt – einfach gesagt – dafür, dass Komponisten und Songtexter Geld dafür bekommen, dass ihre Werke öffentlich verwendet werden. Sei es im neuen Werbespot von VIVA, auf dem Schützenfest von der lokalen Coverband oder bei Paul Kalkbrenners DJ-Set auf Radio Fritz. Hier nun die Story in der Langfassung:

Die Gema und das Urheberrecht

Die GEMA kümmert sich als größte deutsche und sogar weltweite Verwertungsgesellschaft für Komponisten und Songschreiber darum, dass diese als Urheber eines kreativen Werkes für die Verwendung dieses Werkes durch Dritte finanziell entlohnt werden.

Jeder, der in Deutschland ein Musikstück komponiert oder einen Songtext verfasst, besitzt automatisch die Urheberrechte an diesem Werk. Er muss keinen Antrag dafür stellen oder sonst etwas in die Wege leiten. Im Moment der Vollendung des Werkes gilt er als dessen Urheber.

Urheber und ihre Nutzungsrechte

Ein Urheber verfügt ebenfalls automatisch über die Nutzungsrechte an seinem Werk. Das heißt, die komplette Entscheidungsgewalt, ob ein Song im Radio gespielt oder in einem TV-Werbespot verwendet werden darf, liegt zunächst allein beim Komponisten.

Der Komponist kann diese Nutzungsrechte allerdings an eine andere Person oder eine Verwertungsgesellschaft abtreten. Vor allem letztere Variante ist für Urheber extrem sinnvoll. Denn kein Urheber ist in der Lage selbst zu überprüfen, wann, wo, wie oft und von wem sein Song irgendwo im Land verwendet wurde. Noch weniger wird er es hinbekommen, für die Verwendung seiner Songs eine angemessene Vergütung, die sogenannten Tantiemen, einzufordern.

Das tut die GEMA für ihre Mitglieder

Hier kommt die GEMA ins Spiel. Sie bietet allen Komponisten, Textschreibern und Musikverlagen (welche im Auftrag von Komponisten und Textern deren Werke vervielfältigen) an, die Überwachung der Nutzungsrechte an ihren Werken zu übernehmen.

Wer als Komponist oder Songschreiber von der GEMA vertreten werden will, muss zunächst einen Mitgliedsantrag stellen. Als GEMA-Mitglied zahlt er dann einen jährlichen Mitgliedsbeitrag. Derzeit vertritt die GEMA über 63.000 Urheber aus Deutschland und international sogar mehr als eine Million.

Öffentliche Aufführung von Musik muss bezahlt werden

Für alle diese Mitglieder gilt: Ihre Musik ist durch die GEMA rechtlich geschützt. Das heißt: Jeder potenzielle, nicht private Musiknutzer – dazu gehören Hersteller von CDs, DVDs oder anderen Bild- und Tonträgern, Radio- und Fernsehsender, Konzertveranstalter, Straßenfeste, Jahrmärkte etc. – muss zunächst eine Lizenz von der GEMA erwerben, um die entsprechenden Songs verwenden zu dürfen.

Jeder Musiknutzer verpflichtet sich dabei, genaue Auskunft über die Art und Weise der Verwendung eines Songs zu geben. Je öfter und vielfältiger ein Werk genutzt wird, umso mehr Tantiemen bekommt der entsprechende Urheber von der GEMA.

Die GEMA hat dazu ein systematisches Vergütungssystem entwickelt, das auf die Daten, die von den Musiknutzern übermittelt werden, zurückgreift. So werden die gesamten GEMA-Einnahmen auf die einzelnen Mitglieder der GEMA aufgeteilt. Über Änderungen an diesem Vergütungssystem berät einmal im Jahr die Mitgliederversammlung. Die GEMA ist nämlich ein eingetragener Verein und darf deswegen wie alle anderen Vereine in Deutschland auch keinen eigenen Gewinn machen.

Der Streit um die Tarife

Es ist ziemlich vertrackt. Die GEMA sagt, dass alles im nächsten Jahr gerechter wird, einfacher, besser für die Urheber, also die Künstler und Komponisten. Clubbesitzer und Veranstalter wiederum sprechen davon, dass sie ihre Läden dichtmachen können, wenn die neuen Tarife wirklich so umgesetzt werden, wie sie geplant sind.

Ein Rechenbeispiel: Ein kleiner Berliner Szeneclub mit 120 Quadratmetern, der dreimal in der Woche veranstaltet, und dabei sechs Euro Eintritt nimmt, müsste ab 2013 im Jahr 42.865,06 Euro an Gema-Gebühren abführen. Nach aktueller Berechnung sind es 7193,06 Euro.

Nachverhandlungen mit den Karnevalsvereinen reichen den anderen nicht, es gibt Demos, Online-Peditionen, Proteste. Dass da das letzte Wort gesprochen ist, bezweifeln wir.

Die GEMA und Youtube

Natürlich fallen auch Internetportale wie Youtube oder iTunes unter die Kategorie der öffentlichen Musiknutzer und sind deshalb verpflichtet Lizenzgebühren zu zahlen. Für die Überwachung der Nutzungsrechte im Online-Bereich hat die GEMA gemeinsam mit der britischen Verwertungsgesellschaft MCPS-PRS die Tochtergesellschaft CELAS gegründet, die sich europaweit um die öffentliche Nutzung von Musik im Internet kümmern soll.

Allerdings hat die CELAS bisher nur mit einem einzigen der vier großen, marktführenden Plattenfirmen, nämlich der EMI, vertragliche Vereinbarungen getroffen. Viele andere Pop-Songs sind dagegen weiterhin über die GEMA rechtlich geschützt. Die GEMA verlangt deshalb von Youtube für jedes gespielte Video, das GEMA-geschützte Musik enthält, eine Vergütung. Diese beträgt laut offiziellen Angaben der GEMA 0,1278 Euro für jedes Video, das länger ist als fünf Minuten.

Da Youtube die geforderten Kosten nicht aufbringen kann und zudem 2010 von der GEMA verklagt wurde, lagen jegliche Vertragsverhandlungen lange auf Eis. Am 20. April dieses Jahres gab das Landgericht Hamburg der GEMA schließlich Recht und zwang Youtube zur Löschung von sieben urheberrechtlich geschützten Videoclips.

Donnerstag, 30. August 2012