Behind The Scenes Music Industry: iTunes

…und die Revolution in der Musikindustrie

70 Prozent aller US-Amerikaner, die 2011 online neue Musik erworben haben, taten dies im “iTunes Store”. Es wird nicht mehr lange dauern und die Zahl aller Musik-Downloads, die seit Eröffnung des “iTunes Store” getätigt wurden, überschreitet die magische 20 Milliarden-Marke.

Apple hat in weniger als zehn Jahren mit seinem Onlineshop Erstaunliches geleistet. Nicht nur die Art und Weise, wie sich Menschen Musik beschaffen, sondern auch wie sie Musik hören und in ihren Alltag integrieren, ist durch “iTunes” grundlegend verändert, revolutioniert worden. Eine Milliarden schwere Branche, die internationale Musikindustrie, sah endlich neue Vertriebsmöglichkeiten am Horizont und wurde von Apple aus der schwersten Krise ihrer Geschichte geführt.

Ganz nebenbei verdiente sich der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino selbst eine goldene Nase: Sechs Milliarden US-Dollar spülte der “iTunes Store” allein 2011 in die Kassen der Firma. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

2000: Krise der Musikindustrie als Chance für Apple

Die internationale Musikindustrie schlitterte um die Jahrtausendwende endgültig in die schwerste Krise ihrer Geschichte. Verluste in Milliardenhöhe standen seit dem Jahr 2000 an der Tagesordnung und der Schuldige war schnell gefunden: Das neue Format MP3 sowie Online-Tauschbörsen, die urheberrechtlich geschützte Songs in Form illegaler MP3s zum Download verfügbar machten.

Was des einen Freud, des anderen Leid: Für Millionen von Musikfans weltweit schien schlagartig das Paradies auf Erden angebrochen zu sein. Auf einmal war es möglich rund um die Uhr Musik in unbegrenzter Menge und mit wenigen Mouseklicks auf den heimischen Rechner zu ziehen. Und das auch noch kostenlos. Die ersten großen Filesharing-Dienste wie “Napster” und “Kazaa” blühten auf und immer neue Peer-to-Peer-Programme schossen wie Pilze aus dem Boden.

Angesichts dieser beunruhigenden Tatsache verfiel ein Großteil der Musikindustrie in Schockstarre und wusste sich nicht besser zu helfen, als Millionen-Klagen und teure Anwälte auf die vermeintlichen Internetpiraten zu hetzen.

Apples Erfolgsrezept: Einfach, kompakt und cool

Als Schlüsseljahr für Apples Erfolg mit “iTunes” kann man wohl 2001 betrachten. Der Konzern hatte ein Jahr zuvor zwei Entwicklern aus den USA eine ganz normale MP3-Software namens “SoundJam MP” abgekauft. Apple verpasste dem Programm ein neues Design, vereinfachte die Bedienung und ergänzte es um eine Funktion zum Brennen von CDs. 2001 wurde es dann unter dem Namen “iTunes” neu veröffentlicht.

Dass wenige Monate später auch die ersten iPods über die Ladentische gingen, war sicher kein Zufall. Sowohl mit “iTunes” als auch dem “iPod” bediente Apple sich eines genauso simplen wie effektiven Erfolgsmodells: Bereits bestehende Technologien wurden in ein schickeres Design und cooleres Images gesteckt und die User-Freundlichkeit durch eine vereinfachte Bedienung extrem gesteigert. Wenn das Ganze dann noch um einige nützliche Funktionen wie die Möglichkeit CDs zu brennen, erweitert wird, ist der Endverbraucher vollends begeistert.

Im Prinzip orientierte sich “Apple” einfach an dem, was Musikfans bereits seit 1997 begeisterte: Sie kopierten gekaufte CDs auf billige Rohlinge und verbreiteten so Musik an ihre Freunde oder sie luden sich die Alben gleich direkt aus dem Netz runter und brannten die MP3s auf CD oder spielten sie auf ihren MP 3-Player. “Apple” gab ihnen mit “iTunes” und “iPod” also zunächst schlicht eine sehr bequeme Möglichkeit an die Hand, um all diese Dinge zu tun.

Nachdem der Verkauf von CD-Rohlingen dann 2001 erstmals den von bespielten CDs überflügelte, versuchte sich die kränkelnde Musikindustrie mit einer Spezialsteuer auf Rohlinge auf den Beinen zu halten und überrollte Filesharing-Dienste und Raubkopierer mit einer Welle an Gerichtsprozessen. Napster fiel diesen bereits im Juli 2001 zum Opfer.

2003: Eröffnung des iTunes Music Store

Obwohl den großen Plattenfirmen “iTunes” und “iPod” anfangs ein Dorn im Auge waren, ignorierten sie die neuen Angebote von Apple zunächst. Schließlich konnten ausschließlich Besitzer von MacBooks davon Gebrauch machen, und deren Anzahl bewegte sich zu diesem Zeitpunkt noch in vergleichsweise unbedeutenden Dimensionen.

Dies sollte sich mit Eröffnung des “iTunes Music Store” am 28. April 2003 sehr schnell ändern. Apple ergänzte sein Erfolgsgespann aus iTunes und iPod um einen Onlineshop und machte das neue Angebot auch für Nutzer von Windows PCs zugänglich. Wie genau Steve Jobbs die großen Plattenfirmen dazu überzeugen konnte, ihr Material im “iTunes Music Store” anzubieten, wird wohl niemand wirklich erfahren. Fakt ist: Zum Start wartete der Shop mit 200.000 Titeln aus dem Repertoire der vier großen US-Major Labels auf und hatte nach nur einer Woche bereits über eine Million Songs verkauft!

iTunes verändert Hör- und Kaufgewohnheiten

Einfachheit und User-Freundlichkeit machten es möglich. In Zeiten, in denen Musikfans weltweit das Netz nach MP3s durchforsteten, stellte Apple diese auf dem bestmöglichen Weg zur Verfügung: Songs in guter Qualität, mit Cover, virenfrei, legal und schnell zu finden. Dank “iTunes” konnte man die eigene MP3-Software zum Kauf verwenden, die Songs bequem verwalten und auf den iPod laden. Da störte auch der Preis von 99 Cent pro MP3 nicht – im Gegenteil, die einheitlich Preisstruktur machte “iTunes” besonders übersichtlich und
kam vielen Hörern entgegen, die seit jeher nicht verstanden hatten, warum man für ein komplettes Album bezahlen sollte, obwohl man nur wenige Songs darauf mochte.

Mit der Möglichkeit Songs kommentieren und bewerten zu können und intelligente Playlists anzulegen, erweiterte “iTunes” das Musikerlebnis außerdem um eine soziale Komponente. Der Skepsis Jugendlicher, die zwar den Vorteil auf “iTunes” erworbener Musik zu schätzen wussten, aber des Geldbeutels zuliebe sich doch weiterhin über Filesharing-Programme versorgten, begegnete “Apple” mit dem zunächst kostenlosen Verteilen von “gift cards”, die später zum Verkauf angeboten wurden. Diese beinhalteten Guthaben für den “iTunes” store und gaben zahlreichen Eltern eine dankbare Inspirationshilfe für das nächste Geburtstagsgeschenk.

Fünf Jahre später war der “iTunes Store” zum größten Musikverkäufer der USA geworden, hatte die Kategorien Album und Single weitgehend aufgelöst und die Bedeutung von Einzelhändlern stark reduziert.

Mittwoch, 22. August 2012