"Kony 2012": Alle gegen Joseph Kony

Wir erklären Euch die Kampagne gegen den Völkermörder

Dass das Internet, insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, zu den mächtigsten Institutionen der Welt gehört, ist nichts Neues. Wie mächtig Social Media & Co. aber wirklich sein können, durften wir diese Woche erleben.

Am Montag postete die amerikanische Non-Profit-Organisation “Invisible Children Inc.” ein halbstündiges Video namens “Kony 2012”. Die Folge: In den ersten 48 Stunden bekam der Film über sieben Millionen Views auf Vimeo, mehr als fünf Millionen bei YouTube und über eine Million Likes auf Facebook. Ganz zu schweigen von den etlichen Shares – manche spektakulieren sogar, dass die Kampagne für den zweistündigen Facebook-Ausfall am Mittwochmorgen verantwortlich war.

Spätestens seit gestern kennt die Netzwelt kein anderes Thema mehr – doch worum geht es eigentlich bei “Kony 2012”? Und warum sollte man sich den 20. April 2012 schon jetzt fett im Kalender markieren? VIVA.tv klärt Euch auf!

“Kony 2012” – Alle gegen Einen

In Uganda ist Joseph Kony schon lange bekannt – nun kennt ihn auch der Rest der Welt. Der Gründer und Anführer der Lord’s Resistance Army (LRA) – eine Rebellengruppe, die bereits seit über 20 Jahren Krieg gegen die ugandische Armee führt – hat schätzungsweise zwischen 30.000 und 60.000 Kinder verschleppt. Seit 2005 existiert ein internationaler Haftbefehl gegen Kony. Anklagepunkte sind u.a. Mord, Versklavung, Vergewaltigung, Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Plünderung und die Zwangsrekrutierung von Kindern. Und es kommt noch schlimmer: In einem offiziellen Statement heißt es, dass er mittlerweile nicht mehr handele, um gegen die ugandische Armee zu kämpfen, sondern nur noch aus machtbedingten Gründen. Der Kriegsverbrecher macht die entführten Kinder also nur noch zu Kindersoldaten und (Sex-)Sklaven, um seine Machtposition zu stärken und zu erhalten.

Die herzzerreißende Geschichte von Jacob

Doch warum erfährt der Rest der Welt erst oder gerade jetzt davon? Weil der amerikanische Filmemacher Jason Russell seinen Film “Kony 2012” jetzt veröffentlicht hat – und Kony ein für alle Mal ein Ende setzen will! Alles begann im Jahr 2003 – da traf sich Russell mit Jacob, der einst als Kindersoldat für Kony und die LRA kämpfen musste. Jacob ist ein ugandischer Junge – seine Geschichte geht so richtig ans Herz. Konys Rebellen haben seinen Bruder mit einer Machete getötet – heute wünscht sich Jacob den Tod, um wieder bei seinem Bruder zu sein. Denn es habe ja sowieso alles keinen Sinn. So wie Jacob ergeht es vielen Kindern in Uganda – Jason Russell möchte nun endlich darauf aufmerksam machen. Und wie besser als durch das wohl mächtigste Instrument der Welt? Das Internet ist eben unser aller bester Freund!

Kony 2012 from Invisible Children on Vimeo.
Und genau deswegen ruft Russell in seinem Film jetzt dazu auf: “Stoppt Kony!” – und zwar noch 2012. Mit Spenden, digitalen Signaturen der Online-Petition und dem sogenannten “Action Kit” sollen nun auch wir mithelfen, den Massenmörder ein für alle Mal zu schnappen und hinter Gitter zu bringen. Poster und Aufkleber rund um die Welt sollen fotografiert und in ein Web-Tracking-System eingetragen werden um zu demonstrieren: Uns alle gehen diese schlimmen Ereignisse in Uganda was an.

20. April 2012: “Cover The Night”

Den 20. April sollten wir uns so oder so jetzt schon mal alle fett im Kalender markieren: Dann sollen wir uns nach Sonnenuntergang in unserer Stadt treffen und die ganze Nacht Poster, Aufkleber, etc. anbringen und so nochmals klar machen, dass Kony noch dieses Jahr gestoppt werden muss. Unterstützt wird die ganze Kampagne übrigens von Promis wie Lady Gaga, Rihanna, George Clooney, Angelina Jolie oder Justin Bieber. Support gibt es auch von Politikern wie George W. Bush, Bill Clinton, John Kerry und Mitt Romney. Auch sie fordern: “Teilt das Video und haltet Kony auf!”

Kritik gegen die Kampagne

Nichtsdestotrotz gehört zu jeder Sonnen- auch eine Schattenseite. Kritiker behaupten der Film sei mehr ein Image- als ein Dokumentarfilm. Denn immer wieder wird die Spendenpolitik der Organisation “Invisible Children Inc.” hinterfragt. Letztes Jahr flossen beispielsweise lediglich ein Drittel der eingenommenen acht Millionen US-Dollar nach Uganda. Der Rest ging für Organisations- und Lobbyarbeit drauf. Außerdem bezweifeln viele Experten, dass die Verhaftung von Joseph Kony etwas ändern wird. Die Situation in Uganda sei viel komplexer und wenn man wirklich etwas erreichen will, sollte man vor allem die Politik des ugandischen Präsidenten Musenevi mit in Betracht ziehen.

>>> "Stoppt Kony 2012!" Hier geht's zur Facebook-Seite!

Social Media kann die Welt zwar nicht verändern, doch der Anfang ist trotzdem gemacht: Millionen von Menschen in der ganzen Welt sind aufmerksam geworden auf das Thema – und nur zusammen sind wir stark. Schaut Euch das Video an, es lohnt sich! Und vielleicht wollt Ihr es ja auch auf Facebook teilen…

Donnerstag, 08. März 2012