Kopfüber-Trend: Containern

Essen für lau aus der Mülltonne

Kopfüber-Trend: Containern

Freitag, 02. März 2012

Die Banane hat zu viele braune Stellen? Wieder mal in einem Anflug von Gesundheitswahn zu viele Äpfel gekauft, die jetzt gar nicht mehr so knackig aussehen wie im Einkaufskorb? Der leckere Erdbeerquark stand ganz hinten im Kühlschrank und ist jetzt abgelaufen? Der Salatkopf lässt etwas unsportlich die Blätter hängen? Schade drum, aber essen will das doch keiner mehr. Ab in den Müll.

Solche (vermeintlich) kleinen Lebensmittelsünden werden jeden Tag in Deutschland begangen. Und auch die Supermärkte werfen jeden Tag richtig viele Lebensmittel weg, die vor dem Verfallsdatum nicht den Weg in unsere Einkaufswagen gefunden haben. Laut Greenpeace wandern allein in Deutschland jedes Jahr unfassbare 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf den Müll.

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Aber es gibt auch Leute, die genau das Gegenteil machen. Der Trend nennt sich Containern oder Dumpstern, und wie der Name schon erahnen lässt, geht es im Kern darum, sich kopfüber in Mülltonnen und Container zu hängen und auf Schatzsuche zu gehen. Das ist doch nur was für Obdachlose, oder? Weit gefehlt! Es gibt immer mehr Menschen, die sich zwar ganz regulär im Supermarkt Lebensmittel kaufen könnten, es aber einfach nicht mehr einsehen. Und so streifen sie im Schutz der Dunkelheit auf Hinterhöfen von Supermärkten und Wohnblocks umher, bewaffnet mit Gummihandschuhen und Taschenlampen. Und riskieren dabei einiges - denn auch, wenn etwas schon in der Mülltonne gelandet ist, zählt das strenggenommen als Diebstahl.

Dass es einige Unternehmen damit mehr als genau nehmen, hat der "Keks-Prozess" vor dem Landgericht Lüneburg gezeigt. Im August 2010 war ein Mann in der Nähe eines Bäckereigeländes mit einem Eimer abgelaufener Kekse von Wachmännern gestoppt worden. Der Streit ging soweit, dass sich am Ende Richter um den Fall kümmern mussten. Denen ging das Thema aber buchstäblich auf den Keks, und so wurde das Verfahren in dieser Woche wegen Geringfügigkeit eingestellt. Es sei weder ein Schaden entstanden, noch könne bewiesen werden, dass sich der Angeklagte tatsächlich Zugang zum Bäckereigelände verschafft habe, hieß es zur Begründung.

Containern hat seinen Weg inzwischen aus der Tonne ins Kino geschafft. Im Film "Taste the Waste" geht es genau um diese neue Art, sich mit Lebensmitteln einzudecken. Auch das passende Buch gibt es mittlerweile zu kaufen und nennt sich "Die Essensvernichter". Sowohl Film als auch Buch liefern nicht nur Infos zum Containern, sondern geben auch Daten und Fakten zur Wegwerfgesellschaft, die wir ohne Zweifel sind.

Unser Fazit mit Blick in den eigenen Kühlschrank und Obstkorb: Man muss ja vielleicht nicht gleich selbst im Container hängen, aber die braunen Bananen sind sicher immer noch gut genug für einen Milchshake.