Lana Del Rey: Erst Hype, dann Hass

Alkoholprobleme, versemmelter Auftritt, kein zweites Album, Tour abgesagt. Wird Lana Del Rey jetzt schon alles zu viel? Wir machen uns Sorgen.

Lana Del Rey hat uns in den vergangenen Monaten bewiesen, dass es noch wahre Musikmärchen gibt: Mit zwei selbst geschnittenen Videos zu “Video Games” und “Blue Jeans” machte sie lange Zeit, bevor ihr erstes Album “Born To Die” erscheinen sollte, alle auf sich aufmerksam. Diese Woche steigt sie, wie erwartet, auf Platz Eins der Deutschen Albumcharts ein. Ein Erfolg, den Lizzie Grant aka Lana Del Rey scheinbar nur als Erinnerung ablegen kann, denn, wie sie vor einigen Tagen verlauten ließ, plant sie keinen zweiten Langspieler. Sie habe schon alles gesagt, was sie sagen will und möchte nicht noch ein Album aufnehmen.

In ihrem Song “Radio” singt sie zwar “now my life is sweet like cinnamon, like a f***in’ dream I’m livin’ in” (zu Deutsch: “Jetzt ist mein Leben süß wie Zimt, wie ein verdammter Traum, in dem ich lebe”), doch wie traumhaft das Leben der Lana Del Rey wirklich ist, bleibt fraglich. Der Hype um die Nancy Sinatra des 21. Jahrhunderts entwickelte sich schneller zur kollektiven Abneigung, als man gucken konnte. Plötzlich hieß es: Lana Del Rey, das ist pures Lolita-Kalkül mit Rehaugen und aufgespritzten Lippen auf der Mission, allen Frauen ihre Männer auszuspannen oder zumindest ihre feuchten Träume zu dominieren.

Eigentlich fing alles bei der amerikanischen Comedy-Show “Saturday Night Live” an. Es sollte Lana Del Reys erster großer Auftritt im Fernsehen werden, doch, wie man auch noch Wochen später in jedem Musikmagazin oder -blog lesen und sehen konnte, konnte sie dort nicht mit ihrer Makellosigkeit glänzen. Eine verhaltene fast unbeholfene Bühnenperformance inklusive schiefen Tönen und langweiliger Miene. Die Kritiker überschlugen sich an niederschmetternden Statements und es blieb die Frage offen: Kann sie nur gut aussehen? War sie besoffen? Ist der Ruhm zu schnell über sie hereingebrochen? Ist sie noch nicht bereit für die große internationale Bühne? Fakt ist: Schüchtern und verhalten war sie schon immer – ob nur gespieltes Image-Gehabe oder tatsächliche Verschlossenheit sei mal dahingestellt.

Es folgten immer mehr schlechte Nachrichten um die neue Stilikone: Ihr allererstes Album, das sie noch als Lizzie Grant auf einem kleinen Independent-Label veröffentlicht hatte, soll versucht worden sein, zu verheimlichen. Es sei ein peinliches Folkrock-Album, das ihrem Image als Lana Del Rey schaden würde.
Nach “Born To Die” wolle sie außerdem kein zweites Album aufnehmen (VIVA.tv berichtete), da sie mit ihren Songs schon alles losgeworden sei, was sie sagen wollte. Die wohl für Frühling geplante US-Tournee soll sie nach der “Saturday Night Live”-Schmach angeblich abgesagt haben.

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Wir machen uns Sorgen: Verpufft die schlauchbootlippige Wolke 7, auf der wir schweben, jetzt, wo wir uns gerade unsterblich in Lana Del Rey verliebt haben? Vielleicht war sie noch nicht bereit für den internationalen Ruhm, wurde sie doch förmlich von jetzt auf gleich ins Rampenlicht geschubst. Erst geliebt, jetzt gehasst – wer kann damit schon umgehen?
Oft sind es die, die sich gar nicht in den Vordergrund spielen wollen, sich vom Medienrummel versuchen, fern zu halten, die sehr unter dem Erfolgsdruck leiden. Bestes Beispiel: Amy Winehouse. Niemand nahm ihre Alkohol- und Drogensucht ernst, am Ende musste sie ihr Leben sogar daran lassen, was ihr das unvergleichliche Image verschaffte.

Samstag, 11. Februar 2012