Facebook: Timeline Pflicht für alle!

Pro und Contra im großen VIVA.tv Report

Es gibt kein Entkommen mehr: Die umstrittene Timeline auf Facebook wird zur Pflicht – und zwar für alle! In den nächsten Tagen wird die digitale Lebenschronik für alle User freigeschaltet – ohne Rücksicht auf Verluste. Immerhin: Sieben Tage hat man ab Freischaltungsdatum Zeit, das eigene Profil aufzuräumen und zu verstecken, was es noch zu verstecken gibt.

VIVA.tv erklärt Euch alles zum Thema Timeline: Was ändert sich? Was sind die Pros und Contras? Und was soll das Ganze überhaupt!

Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg letztes Jahr die Timeline zum ersten Mal vorstellte, war die Euphorie groß. Immerhin hieß es da auch noch: Die Timeline ist keine Pflicht, jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden. Pustekuchen! Denn jetzt wurde bekannt gegeben, dass die Timeline für jeden der mittlerweile über 800 Millionen Facebook-User freigeschaltet wird – und zwar ab sofort. Und wenn man das nicht will, tja, dann hat man Pech gehabt. Abmelden oder Mark Zuckerberg gehorchen – nun stehen wir alle vor der Qual der Wahl. Aber wie funktioniert die Timeline eigentlich? Und ist das Ganze vielleicht doch gar nicht so schlimm, wie böse Zungen behaupten? Wir haben mal nachgeforscht.

“Die Timeline soll Deine Lebensgeschichte erzählen!”

Die Timeline ändert zuallerst mal das Layout des eigenen Facebook-Profils, alles soll ein bisschen schöner aussehen. Die eigene Seite soll wie eine Zeitschrift wirken, in der man durch die einzelnen Stationen des Lebens blättern kann. Denn Mark Zuckerberg versprach ja schon letztes Jahr: “Die Timeline soll Deine Lebensgeschichte erzählen!”

Und zwar auf einer einzigen Seite. Alles, was jemals auf dem eigenen Facebook-Profil gepostet wurde, ist nun zu sehen. Wichtige Posts, Fotos, Events, etc. können markiert werden und erscheinen als Highlights in der Lebensgeschichte. Rechts gibt es eine Zeitachse – die so genannte Timeline – in der man sich die Posts des entsprechenden Users, nach Jahren und Monaten unterteilt, ansehen kann. Dank der Funktion “Pre-Facebook” kann man also sogar schon bei der Geburt anfangen. Wer möchte, kann also wirklich sein ganzes Leben auf Facebook erzählen und anderen zur Verfügung stellen.

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Denn hier kommt der Knackpunkt: Jeder kann, wie vorher auch schon möglich, selbst entscheiden, was wer auf Facebook sehen soll. Egal ob nur für Freunde oder für die ganze Welt freigeschaltet – die Entscheidung kann immer noch jeder selbst treffen. Bereits heute laden die Facebook-User täglich über 250 Millionen Bilder hoch – eine Zahl, die für sich spricht. Man möchte sich mitteilen, man möchte der Welt, oder zumindest den Freunden zeigen, wie sehr die Party am Samstag ausgeartet ist, wie schön doch der Kurztrip an die Ostsee war oder vielleicht sogar wie toll die Spaghetti Bolognese heute beim Lieblingsitaliener aussah.

Nichtsdestotrotz wird Facebook mit der Timeline transparenter als je zuvor. Die persönlichen Ereignisse sind nun fein säuberlich und chronologisch geordnet – besonders Werbekunden werden daraus ihren Nutzen ziehen. Stichwort personalisierte Werbung: Jetzt kann den Usern direkt das Produkt angeboten werden, welches sie angeblich gerade benötigen oder schon einmal benötigt haben. Wie die Werbebranche an diese Daten kommt? Na über die Timeline natürlich. Ein eindeutiges Contra!

Die Daten werden niemals komplett gelöscht!

Und auch wenn man jetzt anfängt, schnell noch alles mögliche zu sperren, die Daten sind trotzdem bei Mark Zuckerberg & Co. abgespeichert. Denn wenn man beispielsweise ein Bild aus dem eigenen Profil löscht, dann markiert man es anscheinend nur als unsichtbar. In der Facebook-Zentrale schwirren die Daten trotzdem noch irgendwo rum. Kein Wunder, dass sich Datenschützer vehement zu Wort melden.

Fazit: Die Timeline ist ein neues Feature, welches Facebook in einem völlig neuen Design erstrahlen lässt. Jeder kann nun seine komplette Lebensgeschichte veröffentlichen und selbst noch mal nachlesen, was vor drei Jahren bei Freunden los war. Ohne Weiterentwicklung wäre Facebook ja auch irgendwie langweilig, fraglich ist allerdings ob so ein Schritt wirklich nötig war. Denn was ein bisschen Bauchweh an der ganzen Geschichte bereitet ist die Art und Weise, wie die Timeline auf einmal jedem auferzwungen wird. Traurig aber wahr – damit wird wieder mal deutlich, was für eine Monopolstellung Facebook doch mittlerweile genießt. Denn mal ehrlich: Wer wird sich schon abmelden, nur weil auf Facebook auf einmal das eigene Leben von Geburt bis Heute dargestellt wird? Eben. Bleibt nur noch zu sagen: Zu Befehl, Mark Zuckerberg!

Donnerstag, 26. Januar 2012