Hotmail am Ende

Der erste Webmailer wird verschwinden. Microsoft verspricht mit dem Nachfolger die zweite Revolution, und wir fragen nach…

1996 war das eine Revolution: eMails von jedem Computer zu schreiben und empfangen. Was zuvor nur vom eigenen Computer möglich war, der aufwendig aufgesetzt werden musste, konnte nun über den Browser erledigt werden, und Reisende waren in der Lage vom Internetcafe überall in der Welt die Eltern um die Überweisung von mehr Reisebudget zu bitten. 16 Jahre später eine Selbstverständlichkeit.

Pioniere haben kein Abo auf den Erfolg, beweist uns Hotmail. Der Dienst steht unter viel Druck durch den Konkurrenten Google mit seinen Mailangeboten.
Microsoft enthüllte am Dienstagabend sein neues Produkt Outlook.com in Anlehnung an den Namen seines bekannten E-Mail-Programms. Outlook.com soll Hotmail ablösen. Das neue Outlook soll mit Skype, Facebook und Twitter verknüpft werden. Laut Microsoft haben bereits gestern 1 Millionen Nutzer den Dienst ausprobiert.

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Der Ansatz ist natürlich richtig. Heute haben die meisten Menschen diverse Kommunikationswege im Netz: Mail, Facebook Mail & Chat, Skype, Twitter, SMS, WhatsApp. Um diese Nachrichten zu koordinieren, benötigen wir Computer, iPad und Telefon. Wenn es eine zentrale Schnittstelle gäbe, die alle Nachrichten sinnvoll sammelt, und auch noch Spam rausfiltert, dann könnte Outlook eventuell an den damaligen Erfolg von Hotmail anknüpfen. Dann hätten wir wahrlich eine neue Revolution.

Leider wird dabei schnell vergessen, dass natürlich jeder Anbieter eines Kommunikationsdienstes auch Geld verdienen will, und daher darauf bedacht sein muss, die Nutzer auf der eigenen Plattform zu behalten. So wie Skype den Telefonanbietern Schmerzen bereitet, hat WhatsApp die SMS-Nutzung revolutioniert.

Ob das neue Outlook also eine Revolution wird, muss sich noch zeigen. Wir sind erst mal ein bisschen sentimental – wegen dem Ende von Hotmail.

Mittwoch, 01. August 2012