Warum sie nerven, was sie leisten und wie man mit ihnen zurecht kommt
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Mittwoch, 19. September 2012
Wenn jemand im Forum eine besonders dumme oder absurde Antwort auf Deine Frage gibt, ist er womöglich ein Troll. Wenn jemand bei "World Of Craft" sein eigenes Team abschlachtet, ist er womöglich ein Troll. Und wenn jemand eine Diskussion einfach mit dem Totschlag-Argument "Nazi Nazi Nazi!" beendet, ist er der Obertroll.
Trolle tauchen überall dort im Netz auf, wo kommuniziert und diskutiert wird. In Foren, Blogs, Newsgroups, Chatrooms oder Mailing-Listen. Sie pöbeln, beleidigen, provozieren und vermeiden es um jeden Preis einen konstruktiven Beitrag zur Debatte zu liefern. Viele Trolle posten einfach Nonsens. Und hoffen auf erboste Reaktionen.
Dont Feed The Trolls!
Sie agieren dabei stets anonym und machen so lange weiter, bis man nicht mehr auf sie eingeht. Und da wären wir schon bei einer ziemlich sicheren Möglichkeit, sich vor Trollen zu schützen: Ignoranz. Im Netz hat sich deshalb das Schlagwort "Don't Feed The Trolls" verbreitet. Soll heißen: wenn du dem Troll kein Feedback gibst, wird er verschwinden. Um einen Troll zu ignorieren, muss man natürlich aber zunächst einmal wissen, dass es sich um einen solchen handelt.
Trolle tarnen sich mitunter sehr geschickt.
So geben sie sich in Foren als Newbies aus und posten absichtlich besonders dumme Fragen. Neben puren Beleidigungen machen Trolle sich vor allem einen Spaß daraus, Menschen gegeneinander aufzuhetzen oder zu verarschen.
Am besten ist das mal Schriftsteller David Thorne gelungen. Er machte über Facebook auf die Privatparty einer gewissen Kate Miller aufmerksam. Gemeinsam mit tausenden Facebook-Freunden wollte er die Party sprengen und schaffte es über 60.000 Leute zu dem Event einzuladen. Er ließ vorher sogar T-Shirts drucken. Voller Schadenfreude konnten die Massen es kaum abwarten. Am Ende checkten sie: Es gab gar keine Kate Miller und auch keine Party. Thorne freute sich einen Keks.
Trollen als Argument
Dass kreative Formen des Trollens eine Debatte aber auch durchaus bereichern können, zeigt folgendes Beispiel. Als Google begann mit seinen Street View-Wagen durch die Straßen zu fahren, um Häuser abzulichten, war das öffentliche Geschrei groß. Viele Bürger legten Widerspruch ein und ganze Straßenzüge auf Google Maps wurden verpixelt. Dann tauchte auf einmal eine gefakte Street View-Seite im Netz auf. Sie sah dem Original täuschend ähnlich. Mit dem Unterschied, dass sie ihre Nutzer darauf hinwies, kostenpflichtig zu sein, weil der Service aufgrund der zahlreichen Zensuranträge für Google zu teuer geworden sei.
Natürlich ließ die Empörung auch hier nicht lange auf sich warten. Die beiden Künstler Dragan Espenschied und Aram Bartholl, von denen die Seite stammte, hatten so einen sinnvollen Beitrag zur öffentlichen Debatte über Google Street View geleistet. Trolle können der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Und damit Diskussionen anstoßen.
Spielehersteller Blizzard ("World Of Warcraft", "Diablo") versuchte einmal in seinem Forum Klarnamen zur Pflicht zu machen. Ein Blizzard-Mitarbeiter, der sich vehement für dieses Modell eingesetzt hatte, wurde daraufhin im selben Forum komplett bloßgestellt. Die Trolle posteten einfach alles, was sie im Netz zu seinem Namen gefunden hatten. Kurze Zeit später konnte man sich im Blizzard-Forum wieder mit Pseudonym anmelden.
Von 4chan bis zur Trollcon
Ob nun Kunstform, Argumentationstechnik oder bloßes Auf-die-Nervengehen: Das Phänomen Trollen ist ein bedeutender Teil des Internets geworden. Kommuikationswissenschaftler Stefan Krappitz hat gerade das Buch Troll Culture zum Thema geschrieben und in Mannheim findet Ende Oktober mit der Trollcon 2012 erstmals eine Konferenz statt, die sich einzig dem Thema Trollen widmet.
Angefangen hatte alles auf 4chan.org, einem der größten Foren der Welt. Hier entwickelten sich Netz-Trends wie die Lolcats, Memes oder Rickrolling. Auch das Hacker-Kollektiv Anonymous soll hier entstanden sein.
Wer selber mal so ordentlich trollen möchte, findet übrigens hier ein kleines Manual. Und wer noch immer nicht verstanden hat, wovon wir hier eigentlich, dem sei dieses überaus humorvolle Video empfohlen: