Kastration für Vergewaltiger?

In Indien ist das Maß voll: Nach dem Tod einer vergewaltigten Frau gehen die Menschen auf die Barrikaden. Viele fordern die Todesstrafe, doch die Regierung hat andere Pläne.

Kastration für Vergewaltiger?

Mittwoch, 02. Januar 2013

Neu Delhi ist die Hauptstadt der Vergewaltigungen. Alle 18 Stunden wird bei der Polizei eine Vergewaltigung angezeigt. Unzählige weitere Taten behalten Opfer und Vergewaltiger für immer für sich. Polizei, Politik und Bürger kennen das Problem, Hilfe für die Frauen gab es bisher kaum.

Doch jetzt ist eine Frau nach einer brutalen Vergewaltigung gestorben, der Fall hat weltweit Aufsehen erregt. Die Inder haben die Schnauze voll, sie gehen auf die Straße, für ihre Frauen, ihre Töchter, ihre Schwestern, ihre Mütter, sich selbst. Sie fordern Gerechtigkeit, mehr Sicherheit und härteste Strafen.

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Sechs Männer sind wegen Mordes angeklagt, sie hatten die 23-Jährige und ihren Freund in einem Bus überfallen. Die junge Frau wurde von den Männern brutal vergewaltigt, ihr Freund verprügelt. Als sie fertig waren, warfen sie das Paar einfach aus dem Bus. Eine Woche später starb die Frau an ihren Verletzungen im Krankenhaus, weil die Männer bei der Vergewaltigung unter anderem auch Eisenstangen benutzt hatten. Ihr Freund, den sie im Februar heiraten wollte, wird sich für immer Vorwürfe machen, dass er sie nicht retten konnte.

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Die Proteste sind so groß, dass landesweit Silvesterfeiern abgesagt wurden. Stattdessen wurden Mahnwachen und Gedenkfeiern abgehalten. Indiens Regierungschef Manmohan Singh hat eine Neubewertung von Sexualstraftaten in Auftrag gegeben. Indische Medien berichten, dass zu einer Gefängnisstrafe von 30 Jahren eine weitere Strafe dazukommen könnte - die chemische Kastration.

Aber würde das die Frauen in Indien wirklich schützen? Ist die abschreckende Wirkung wirklich so groß, dass Männer nicht zu Vergewaltigern werden? Das Problem liegt vermutlich woanders. Bei 90 Prozent der Gewaltverbrechen in Indien sind Frauen Opfer. 90 Prozent. Gruppenvergewaltigungen sind keine Seltenheit und bewegen kaum eine indische Zeitung dazu, einen Artikel darüber zu schreiben. Es ist so normal geworden, dass es die Menschen einfach als alltäglich hinnehmen. Immerhin hat die Regierung zum Jahreswechsel eine Notrufnummer für Frauen eingerichtet, unter der sie Hilfe bekommen. Der Weg ist allerdings noch lang und wird sich vermutlich auch nicht mit der Kastration von Vergewaltigern abkürzen lassen.

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