Macht Facebook depressiv?

Eine neue Studie hat ergeben, dass Facebook-User bei der Nutzung zunehmend negativen Emotionen ausgesetzt sind. Macht das soziale Netzwerk wirklich depressiv? Hier gibt's mehr Infos.

Tag ein Tag aus scrollen wir wie verrückt durch unseren Facebook News Feed, freuen uns über witzige Links und Pinnwand-Einträge, klicken uns durch die wunderschönen Urlaubs-Pics unserer Netz-Freunde oder stalken die neue Freundin unseres Schwarms. Social Media gibt uns viel Grund zur Freude, doch nicht selten sitzen wir auch vor unserem Bildschirm und zeigen ihm wutentbrannt den Stinkefinger, der hoffentlich in virtuellen Schwingungen irgendwie bei dem ankommt, der uns gerade den neuen Kinofilm, den wir uns morgen ansehen wollten, madig gemacht hat.

Auch unter fremden Posts fällt uns immer häufiger auf: Hier wird geflucht und sich ausgekotzt, was das Zeug hält. Warum ist die Luft im sozialen Netzwerk nur so dick geworden? Zeit, aus dem Staub zu machen?

Eine Studie der TU Darmstadt und der Humboldt-Universität zu Berlin hat jetzt ergeben: Facebook löst zunehmend negative Emotionen wie Neid und Unzufriedenheut beim Nutzer aus. Sie befragten knapp 600 Facebook-Mitglieder während der Nutzung nach ihren Gefühlen. Über ein Drittel der Testpersonen bestätigten, dass sie beim Facebooken frustriert seien.

Projektleiterin Dr. Hanna Krasnova begründet das so: “Obwohl Nutzer zögern, Neidgefühle auf Facebook zuzugeben, vermuten sie oft bei ‘anderen’ Neid als Ursache für deren Frustration – ein deutliches Zeichen für das Vorkommen dieser Emotion auf Facebook.” Klingt einleuchtend: Mark checkt täglich in hippe Bars und Clubs ein, Jessy ist schon wieder in den Sommerurlaub geflüchtet und Marina wurde befördert. Da kann man schonmal neidisch werden, oder?

Mittlerweile habe sich sogar eine sogenannte Neid-Spirale heraus gebildet: Facebook-Nutzer wollen demnach gezielt ihre Netz-Freunde mit ihren Beiträgen neidisch machen. Einziger Ausweg: Account löschen?

Wir fragen uns: In was für einer Netzwelt leben wir eigentlich? Können wir uns nicht einfach über den schönen Ausblick aufs Meer, den unsere ehemalige Schulfreundin gerade genießt, freuen und fröhlich “Gefällt mir” drücken?

Dienstag, 22. Januar 2013