Vine: Videoapp mit Potenzial und Pornoproblem

Twitters neuer Videodienst wird zugespammt. Dabei bietet er tolle, neue Funktionen für's Crowdsourcing. Lest hier, warum!

Als Twitter 2006 seinen Kurznachrichtendienst startete, hagelte es Spott und Skepsis. Was könne man schon mit 140 Zeichen ausdrücken?! Mittlerweile sind die Trending Topics so etwas wie die Tagesschau des Social Webs und Twitter ist bei aktuellen Ereignissen häufig schneller als jedes andere Medium.

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Vor zwei Wochen startete Twitter dann die Smartphone-App Vine. Und wieder hagelte es Spott und Skepsis. Mit Vine können User Videoclips von einer Länge bis zu sechs Sekunden verbreiten. Dabei sind doch die Zeiten animierter GIFs schon lange vorbei, machte sich die Netzwelt lustig.

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Dass Vine aber doch Aussicht hat groß zu werden, zeigt nicht zuletzt Facebooks Reaktion auf den Kauf durch Twitter. Nachdem der Deal perfekt war, kappte Facebook sofort allen Vine-Usern die Funktion, über Facebook Freunde zu Vine einzuladen. Herr Zuckerberg scheint also Angst zu haben, sein größter Konkurrent Twitter könnte ihm dank Vine reichweitenmäßig noch weiter auf die Pelle rücken.

Pornoproblem

Gefreut haben dürfte es Facebooks Chef deswegen um so mehr, als Vine wenige Tage nach Launch von den USA-Medien zerrissen wurde. Grund: Die App war mit Kurzclips von legalen wie illegalen Pornographie-Anbietern überschwemmt worden. Besonders peinlich: Vielen Usern wurde ein Porno-Clip offiziell von Twitter als hervorgehobenes Suchergebnis empfohlen. Twitter entschuldigte dies mit einem menschlichen Fehler und sperrte fortan alle Suchanfragen, deren Inhalt auf Pornographie schließen lässt. Einem drohenden Ausschluss aus dem Apple Appstore kam man somit gerade noch zuvor.

Was kann Vine?

Nun aber mal konkret: Was kann Vine denn überhaupt? Im besten Fall bietet die App ein ganz neues Medium, denn wer sich die bisher verbreiteten Kurzclips anschaut erkennt schnell: Hier ist irgendein Zwischending zwischen Foto und Video entstanden.

Während Fotos einen ganz bestimmten Moment einfangen und abbilden, aber auch nur diesen, bietet Vine die Möglichkeit mit wenig Datenmenge die Atmosphäre eines Ortes oder Events abzubilden. Denn im Unterschied zu einem GIF handelt es sich bei Vine um bewegte Bilder mit Audiospur. Dass sich in sechs Sekunden keine Geschichte erzählen lässt, ist klar, doch mehr als ein Foto sagen die kurzen Clips allemal. Einen fähigen Autor vorausgesetzt, versteht sich.

Und so darf man sich in Zukunft wohl nicht mehr nur auf Statusmeldungen und Twitpics freuen, sondern bekommt in Sekundenschnelle auch einen ganz besonderen Blickwinkel auf ein Event. Auch können simple Tweets ansprechend bis informativ visualisiert werden – Eine große Chance für das immer wichtiger werdende Crowdsourcing und eine gute Möglichkeit für Twitter-User, sich in öffentliche Diskussionen gewinnbringend einzuschalten.

Montag, 04. Februar 2013