Frei.Wild von Neonazi-Band verklagt

Hören Frei.Wild Nazimusik und lassen sich mehr als inspirieren? Sie sollen bei einer rechtsextremen Band geklaut haben.

Haben Frei.Wild den Guttenberg-Move gemacht? Eine Schavanerei begangen? Die Band, die sofort beleidigt die Unterlippe vorschiebt, wenn man sie als rechte Band bezeichnet, soll ausgerechnet von einer Neonazi-Kombo abgekupfert haben. Es geht um eine Band mit dem schönen Namen “Stahlgewitter”, deren Sänger erst im letzten Jahr wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Ihre CDs stehen alle auf dem Index: Verboten, weil Nazischeiß.

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Nun also der Vorwurf gegen Frei.Wild: Laut Süddeutscher Zeitung hat ein gewisser Jens H., seines Zeichens bekannter Rechtsextremist und nach eigenen Angaben Mitglied bei Stahlgewitter, einen Gutachter eingeschaltet, um prüfen zu lassen, ob im Frei.Wild-Song “Schenkt uns Dummheit, kein Niveau” ein Riff vorkommt, dass aus dem Stahlgewitter-Lied “Auftrag Deutsches Reich” geklaut wurde. Der Gutachter kommt tatsächlich zu dem Schluss, dass das Riff eindeutig abgekupfert wurde. Komponist des Frei.Wild-Songs ist Sänger Philipp Burger, der früher in einer Skinhead-Band spielte, bevor der 2001 Frei.Wild gründete. Klingt so, als würde er sich noch immer im heimischen Wohnzimmer Neonazimusik reinziehen, um sich für die eigene Musik inspirieren zu lassen.

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Ob das Hamburger Landgericht tatsächlich der Einschätzung des Gutachters folgen wird, ist allerdings noch unklar. Der Stahlgewitter-Frontkämpfer hat nämlich besagtes Riff seiner Band ohne Text eingereicht, weil darin so schöne Zeilen wie “Heil dir, Germania” vorkommen. In seiner Anschuldigung ging es aber um die Stelle des Liedes, nicht nur um das Riff, womit er sich selbst ins rechte Knie geschossen haben könnte.

Wie auch immer dieser Rechtsstreit ausgeht, unter’m Strich ist es ein weiterer Beweis dafür, dass Frei.Wild viel netter tun als sie sind. Missverstandene Künstler, die gar nicht wissen, was die Leute eigentlich von ihnen wollen, sind sie jedenfalls nicht. Umso schlimmer, dass der ganze Trubel ihnen Platz eins der Albumcharts eingebracht hat. Opfer sind Frei.Wild nicht. Die Kasse klingelt und aus den heimischen Boxen tönen offenbar Naziparolen.

Freitag, 10. Mai 2013