Der gute Monat: 5 Fragen an Dieter Puhl von der Bahnhofsmission Berlin Zoo

Der Leiter über seine täglichen "Gäste" und kleine Spender.

Hier haben wir unseren schönen TV-Trailer für den guten Monat gedreht und intern auch schon massenweise Altkleidersäcke abgegeben: Bei der Bahnhofsmission am Berliner Bahnhof Zoo. Logisch, dass wir dem sympathischen und coolen Leiter der Mission ein paar Fragen stellen wollten. Hier erklärt Dieter Puhl den Mikrokosmos “Bahnhofsmission”.

1. Die Bahnhofsmission, was ist das eigentlich genau?
Bahnhöfe sind oft wie kleine Städte, Menschen arbeiten dort, steigen um, kaufen ein…Über 100 Bahnhofsmissionen in Deutschland versuchen, „gute Geister“ zu sein. Wer hilft dem blinden, gebrechlichen Mann beim Umsteigen, wo kann man sich mal schnell aufwärmen und eine gute Pause einlegen, wer begleitet Kinder am Wochenende von Mama, die in Berlin lebt, zum Papa, der in Hamburg lebt? Einige Bahnhofsmissionen kümmern sich dann noch um wohnungslose Menschen in ihrer Stadt, aber lange nicht alle.
„Die Bahnhofsmission Zoo ist mein Wohnzimmer“, sagen viele unserer Gäste hier in Berlin, hier trifft man auch Freunde, nette Menschen. __„Heimathafen, Kummerkasten, Rettungsanker,“ __sage ich.

*2. Wie sieht die Hilfe für die “Gäste” ganz konkret aus? *
Wir wollen gute Gastgeber sein für die 600 wohnungs- und zum Teil heimatlosen Menschen, die uns jeden Tag aufsuchen. Wir haben 24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Viele kommen, es ist ganz einfach, weil sie Hunger haben! Wir beraten und vermitteln, die Utopie dahinter ist, eigentlich wollen wir die Bahnhofsmission überflüssig machen. Die Wirklichkeit ist leider anders: Erhalten drei Gäste eine Wohnung, kommen fünf neue Gäste dazu. Aus unserer Notkleiderkammer geben wir pro Jahr 33 000 Mal Bekleidung heraus. Ja, ich habe im Winter Menschen gesehen, die keine Schuhe haben, sondern Handtücher um die Füße gewickelt haben. Sehr viele wollen manchmal aber auch getröstet werden, suchen ein freundliches Gespräch, einen netten Menschen, dem sie sich anvertrauen können.

3. Woher kommen die Spenden?
Die Berliner Tafel hilft uns hier jeden Tag ungemein – mit tollen Lebensmitteln, Kuchen, Obst, Getränken, das sind täglich riesige Mengen. Einiges fehlt aber ständig: Kaffee, H-Milch, Zucker, Käse. Hier packen die Berliner aber an, bringen uns die Dinge vorbei. So sind viele Freundschaften entstanden. Es kommen aber auch Pakete aus dem gesamten Bundesgebiet, selbst in Australien gibt es einen Menschen, der dringend benötigte Schlafsäcke für uns sammelt. Übrigens: Auch Schulklassen aus Flensburg, Magdeburg, München und vielen anderen Orten tun dies. Geht doch ganz einfach, so ein Paket ist schnell in Berlin. Da steht dann aber auch ein 8 – jähriger Junge vor der Tür und möchte fünf Euro Taschengeld abgeben. „Davon könnt ihr doch 2 Pfund Kaffee kaufen.“ Richtig. Oder: Die 14-jährige junge Lady sammelte auf ihrem Geburtstag 17,20 Euro für uns. Geld, über das wir uns freuen, das aber auch hilft zu helfen! Hier am Zoo merken wir, es gibt verdammt viele nette und gute Menschen.
Wer Lust und Möglichkeit hat:
Spendenkonto 31 81 907
Berliner Stadtmission, Bank für Sozialwirtschaft,
BLZ 100 205 00

10 Euro sichern den Zukauf an Lebensmitteln für 180 Gäste. Ist so!

4. Mal ehrlich: Helfen bei Euch auch junge Leute?
Heute hatten wir Besuch, 20 Schülerinnen und Schüler so um die 12 Jahre alt. Eine gut vorbereitete, neugierige und lebhafte Klasse. Alle wollten sofort mit anpacken. Ein tolles Chaos entstand, einige arbeiteten in der Kleiderkammer, viele in der Küche, schmierten hunderte an leckeren Broten, bereiteten einen Obstsalat, verteilten selbst gebackene Pfannkuchen. Fast alle wollten hier regelmäßig helfen. Große Trauer, denn 12 Jahre ist echt etwas jung, 14 Jahre geht dagegen schon prima. Über 100 Praktikanten leisten hier pro Jahr nen richtig guten Dienst, die jüngsten sind 13, die ältesten so 24. Haben Lust zu gestalten, wollen helfen, brennen für die Sache – und das mögen sie sehr gerne, können hier sehr selbständig arbeiten. Ehrlich: Ohne diese gute Truppe fände ich das hier langweilig!
Viele bleiben nach einem Praktikum hier kleben und arbeiten über Jahre hinweg noch ehrenamtlich mit. Ach ja, da gibt es dann auch noch den ehemaligen 19 jährigen Praktikanten, der nun so alle 2 Monate vorbeischaut. Sind die Mädchen hübsch, bleibt er – sonst ist er recht schnell weg. Es gibt halt viele unterschiedliche Beweggründe, hier zu helfen.

*5. Ich hab selbst sowenig Geld. Wie kann ich trotzdem helfen? *
Ich finde es schon mal gut, wenn man anfängt, sich für das Thema zu interessieren. Sind das „Penner“, sind das Menschen, wie leben sie, wie sind sie drauf? Wenn man ehrlich zu auch vorhandenen Vorurteilen steht, diese aber auch kritisch hinterfragt.
Schulklassen sind ein starkes Netzwerk, viele können sich eingeben, Bekleidung sammeln. Auf einem Schulfest ein paar Kuchen zu backen und diese für uns zu verkaufen, wäre eine wünschenswerte Sache. In fast allen Städten gibt es Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, schaut einfach mal offen neugierig herein, fragt vor Ort nach. Wir hier in Berlin in der Bahnhofsmission Zoo kriegen richtig gerne Besuch, pro Jahr kommen so um die 150 Besuchergruppen. Wann sehen wir Euch?!!!
Wer Fragen hat – gerne: puhl@berliner-stadtmission.de

Mittwoch, 16. Oktober 2013