Der türkische Premier Erdogan droht seinen Gegnern und macht uns langsam Angst

Die Kommunalwahlen hat Erdogan mit seiner Partei trotz Korruptionsvorwürfen und Twitterblockade gewonnen. Nach dem Wahlsieg hielt der Premier eine wirre, wutschnaubende Rede auf seinem Balkon. Wie gruselig die war, lest Ihr hier.

Recep Tayyip Erdogan wird gestern sicher mit einem breiten Grinsen ins Bett gegangen sein. Immerhin hat seine Partei AKP die Kommunalwahlen in der Türkei gewonnen, und das, obwohl Erdogan in den vergangenen Wochen nicht gerade Jedermanns Liebling war. Gegen ihn gibt es Korruptionsvorwürfe, seine Armee liefert sich regelmäßig mit aufsässigen Bürgern Straßenschlachten und Twitter und YouTube hat er kurzerhand den Saft abgedreht und damit die Meinungsfreiheit drastisch beschnitten.

Trotzdem scheint die Mehrheit der Türken gerade keine Alternative zu sehen oder ist vielmehr mit dem islamisch-konservativen Weg der AKP mehr als einverstanden. Ein guter Gewinner ist Erdogan trotzdem nicht, im Gegenteil. Als er sich gestern Abend auf seinem Balkon feiern ließ, richtete er harte Worte an seine Gegner, die seiner Meinung nach Chaos verbreitet hätten und die Interessen der Türkei verraten:

“Sie werden dafür bezahlen! Ab morgen gibt es vielleicht Leute, die flüchten werden! Wir werden die Reihen der Feinde durchdringen, und dann werden sie Rechenschaft ablegen müssen.”

Das klingt gar nicht nach einem demokratisch gewählten Staatschef, sondern nach einem irren Diktator. Anstatt auf die Gegner zuzugehen und nach Kompromissen zu suchen, steuert Erdogan auf eine Frontalkollision zu. Die westlich geprägte Jugend will sich eben nicht soziale Kanäle nehmen lassen, nur weil sie sich kritisch äußert.

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Wir finden die Entwicklungen äußerst beunruhigend, vor allem in einem Land, dass sich anschickt, Teil der Europäischen Union zu werden. “Leute, die flüchten werden”, das klingt nach politischer Verfolgung und überhaupt nicht nach Demokratie. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis auch die Türkei vom arabischen Frühling überrollt wird und Erdogan statt einer Alleinherrschaft einen Bürgerkrieg unter seinem Balkon toben hat.

Montag, 31. März 2014