Fotos ohne jeden Geschmack: Auch Selfies haben Grenzen

  • Diese Selfies sind einfach unappetitlich. Vor Gedenkstätten wie Auschwitz und dem Holocaust-Mahnmal solltet Ihr das Handy in der Tasche lassen.

  • Die junge Amerikanerin Breanna strahlt in Auschwitz und wird für das "schlimmste Selfie aller Zeiten" berühmt.

  • Auch dieses Mädchen fotografierte sich vor den Baracken von Auschwitz.

  • Diese Zwei hatten bei ihrem Ausflugs ins KZ offenbar viel Spaß.

  • Und auch sie findet Auschwitz "selfie-würdig".

  • Die Gedenkstätte der Anschläge vom 11. September in New York - Auch hier ist Selfie-Time angesagt.

  • Dieses Bild vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin stammt schon aus 2013. Seitdem sind viele weitere solcher Selfies aufgetaucht.

  • Ehrfurcht - Was ist das? Vor dem Holocaust-Mahnmal zeigt dieses Mädchen erst mal den Stinkefinger.

  • Es gibt so viele schöne Momente, in denen man (k)ein Selfie machen kann.

  • Das Flugzeugabsturz-Selfie: Ist in diesem Fall ja nur gefaked. Wer in solchen Momenten Fotos macht, steht aber auf der Abschußliste der Evolution bestimmt ganz oben.

  • Das Beerdigungsselfie: Sieht irgendwie nach Photoshop aus. Das ist aber auch die einzige vertretbare Erklärung für dieses Selfie.

  • Das Polizeieinsatz-Selfie: Huhu, guck mal, wie lustig! Da wird einer von der Polizei niedergeknüppelt. Lächeln nicht vergessen!

  • Das Hausbrand-Selfie: So ein lustiges Feuerchen ist doch eine schöne Kulisse für den eigenen Ego-Komplex.

  • Das OP-Selfie: Gut zu wissen, womit sich Ärzte im OP so die Zeit vertreiben.

  • Das Mutproben-Selfie: Für ein Selbstmord-Selfie ist der Typ ein bisschen zu fröhlich auf dem Bild.

  • Das Schadenfreude-Selfie: Okay, das finden wir jetzt sogar ganz witzig: Ein Selfie mit Leuten, die mit dem Aufzug steckengeblieben sind.

  • Das Polizeikontrolle-Selfie: Einen Moment, Herr Officer, ich muss nur noch schnell ein Selfie machen.

  • Das Katastrophen-Selfie: Margot ertrinkt, Manfred macht Selfie.

  • Das Gefängniszellen-Selfie: Ist doch ein super Bewerbungsfoto für später.

  • Das "Renn um Dein Leben"-Selfie: Zeit für ein Selfie muss einfach sein. Nicht, dass der eigene Tod noch undokumentiert bleibt.

  • Das Post-Autounfall-Selfie: und jetzt mal alle "Ohhhhh"!

  • Das "Ich hab geheult"-Selfie: Warum auf einem Selfie gut aussehen, wenn man auch scheiße aussehen kann.

  • Unser Favorit, das Verbrecher-Selfie: zwei Teenagermädchen überfallen eine Burgerfiliale in Schweden und machen vor dem Überfall noch schnell ein Selfie. Ganz großes Kino.

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    Daumen hoch vor der Gaskammer? Muss doch nicht sein.

    Ja, wir wissen, Selfies sind DAS DING im Netz. Selena Gomez macht sie, die Nationalelf macht sie und sogar Präsident Obama und Angie Merkel haben sich vom Selfie-Hype mitreißen lassen. Doch es gibt ein paar Orte, an denen es definitiv ganz und gar nicht cool ist, die Hand von sich zu strecken und auf den Auslöser zu drücken. Ein Ort, an dem Tausende Menschen brutal ermordet wurden, wäre zum Beispiel so ein Fall.

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    Trotzdem sind unappetitliche Selfies – zum Beispiel in Form von lustigen Foto-Sessions vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin – schon eine Weile zu einer Plage im Netz geworden. Ein Mädchen aus Alabama hat es mit ihrem Selfie aus dem Vernichtungslager Auschwitz nun zu trauriger Berühmtheit gebracht. “Princess Breanna” postete auf ihrem Twitter-Account ein Bild, das sie mit breitem Lächeln vor den Baracken des ehemaligen KZs zeigt. Mit “Selfie aus dem Konzentrationslager Auschwitz” kommentierte Breanna ihren Schnappschuss und fügte noch ein fett grinsendes Smiley hinzu.

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    Eines Morgens, bereits einen Monat nach der Aufnahme, sah sich Breanna plötzlich mit einem riesigen Shitstorm konfrontiert: “Ich bekam Todesdrohungen, manche haben gesagt, ich solle mich umbringen”, sagte sie im Interview mit dem amerikanischen Sender Pivot. Der Teenager fühlte sich missverstanden und ungerecht behandelt: Sie habe das Foto nur für ihren verstorbenen Vater gemacht, der sich sehr für den Holocaust interessiert habe, erklärte sie ihr Verhalten im amerikanischen Fernsehen.

    Naiv – auf jeden Fall, geschmacklos – definitiv, jedoch lässt sich nicht behaupten, dass Breanna böswillig gehandelt habe. Deshalb ist es auch überflüssig zu erwähnen, wie viele andere Möglichkeiten es gegeben hätten, um ihrem verstorbenen Vater zu gedenken. Doch Brennas Fall ist so interessant, weil er symptomatisch für das Einfühlungsvermögen einer gesamten Generation ist. Denn nicht nur amerikanische Teenager und Berliner Touristen haben mit gedankenlosen Fotos auf sich aufmerksam gemacht, auch eine nicht unbedeutende Zahl an jungen Israelis soll in den letzten Wochen Selfies aus Auschwitz und anderen Konzentrationslagern ins Netz geladen haben, berichtet die Zeitschrift “New Yorker”. Häufig werden die Bilder noch mit lustigen Hashtags kombiniert.

    Naive Gedankenlosigkeit gut und schön, doch es ist zweifellos auch die (selbstverständlich) schonungslose Selbstdarstellung, die Fälle wie Breannas möglich macht. Wer an solchen Fotos nichts Verwerfliches findet, sollte das eigene Wertesystem vielleicht noch mal überdenken.

    Schließlich würdet Ihr Euch ja auch nicht grinsend vor dem Grab Eurer Oma fotografieren, um Mutti liebe Grüße nach Hause zu schicken.

    Samstag, 30. August 2014