Mit Humor gegen Diskriminierung wehren: Dieser Wiener Student macht es vor

    Tori Reichel, Student an der Uni Wien, beschwerte sich in einem offenen Brief darüber, dass die Hochschule mit ihm für deren Internationalität geworben hat - weil er dunkelhäutig ist.

    Tori Reichel ist 23 Jahre alt und studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien. Er ist in Oberndorf bei Salzburg geboren und aufgewachsen – ein österreichisches “Landei” wie es im Buche steht, könnte man also meinen. Seine Uni sah das offenbar ein bisschen anders und fand es eine großartige Idee, ein Bild von Tori, auf dem er mit zwei blonden Studentinnen zu sehen ist, als Aushängeschild der Uni für deren “Internationalität” zu nutzen. Warum? Weil Tori dunkelhäutig ist (sein Vater ist Nigerianer, die Mutter Österreicherin) und er damit anscheinend als Ausländer gewertet wurde.

    >>> Homosexualität in Deutschland: Wie gleich sind wir eigentlich?

    Nachdem das Foto immer wieder im besagten Kontext verwendet wurde, hatte Tori irgendwann die Schnauze voll und verfasste einen Brief an seine Uni, der bei Vice vollständig abgedruckt zu lesen ist. Wir mussten das ein oder andere Mal laut lachen, denn Tori besitzt offenbar ene gute Portion Humor, wie diese Auszüge beweisen:

    “Liebe Uni Wien, wir müssen reden. Konkret über das oben angeführte Foto, das direkt auf der Startseite deiner brandneuen Website zu sehen ist. Das Bild wurde schon ziemlich oft auf der Startseite verwendet. Es zeigt einen jungen schwarzen Mann, der auf einer Treppe sitzt und sich mit zwei blonden Mädchen unterhält. So weit so gut. Aber mir ist aufgefallen, dass du dieses Bild immer dann verwendest, wenn es darum geht, dich als „Internationale Universität“ zu präsentieren. Bereits im März 2014 war es auf der englischsprachigen Seite zu sehen, mit dem dazugehörigen Text: „International University of Vienna—Almost one Quarter of our Students come from abroad. The University welcomes and supports almost 1,000 ERASMUS students each year.“

    Das Komische an dem Bild: Der Kerl, der da zu sehen ist, ist gar nicht von „auswärts“. Er ist auch kein Erasmus-Student. Das weiß ich, weil das auf dem Foto ich bin. Ich studiere bei euch an der Uni Publizistik und weiß irgendwie gar nicht, wie ich zu der „Ehre“ komme, euer Aushängeschild für Internationalität zu sein. Das einzige an mir, das irgendwie exotisch ist, ist nämlich mein ausgeprägter Flachgauer Dialekt.", schreibt Tori.

    Irgendwie kann Tori die Uni ja aber auch verstehen: denn als “Junge, der im exotischen Grenzgebiet von Salzburg und Oberösterreich geboren und aufgewachsen ist, hat man es in Wien tatsächlich mit einer massiven kulturellen und vor allem sprachlichen Barriere zu tun. Von daher finde ich es eh super, dass ihr mich hier willkommen heißt und unterstützt”

    >>> Rassismus wegen Drogen: Kneipe in Berlin verbietet Schwarzen den Zutritt!

    Inzwischen hat die Uni die Bilder vom Server genommen, der Brief hat also scheinbar seine Wirkung gezeigt. Wir verneigen uns vor Toris cooler Reaktion und wünschen uns, dass endlich niemand mehr aufgrund seiner Hautfarbe oder anderer äußerer Merkmale diskriminiert wird.

    Mittwoch, 15. Oktober 2014