Stille im Krieg: Wenn Flüchtlingskinder schlafen

Mit dieser beeindruckenden Reihe dokumentiert Fotograf Magnus Wennman, wie Kinder schlafen, wenn sie ihr Bett zurücklassen müssen.

Sie vermissen die dunklen Knopfaugen ihrer Lieblingspuppe, ihr Kuschelkissen oder einfach nur ihr Bett: Mehr als zwei Millionen Kinder befinden sich unter den Menschen, die derzeit aus ihrer Heimat Syrien vor dem Krieg fliehen. Kinder, die neben ihrer Heimat und ihren Freunden auch etwas zurückgelassen haben, das für uns selbstverständlich ist: ihr Bett. Doch wie schlafen Kinder, die sich auf der Flucht vor Gewalt und Zerstörung befinden? Wie kommen sie zur Ruhe?

>>> Syrien und die Flüchtlingskrise kurz erklärt

Der schwedische Fotograf Magnus Wennman hat syrische Flüchtlingskinder in Camps in ganz Europa getroffen und sie beim Schlafen in ihren provisorischen Nachtlagern fotografiert. Herausgekommen ist eine beeindruckende Fotoreihe, die ein erschreckend klares Bild davon zeichnet, was es für junge Menschen bedeutet, alles zurückzulassen, was sie bisher kannten.

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FARA – 2 JAHRE ALT




Fara liebt Fußball. Ihr Vater bastelt ihr Fußbälle aus allen Materialien, die er finden kann. Jeden Abend, wenn er gute Nacht zu Fara und ihrer älteren Schwester sagt, hofft er, dass er am nächsten Tag einen richtig Fußball auftreiben kann, mit dem die Beiden spielen können.

SHAM – 1 JAHR ALT




An der Grenze zwischen Serbien und Ungarn liegt Sham im Arm seiner Mutter. Nur ein paar Zentimeter entfernt ist Europa, das sie verzweifelt versuchen zu erreichen. Einen Tag zuvor wurden die letzten Flüchtlinge in einem Zug nach Österreich gebracht. Aber Sham und seine Mutter sind zu spät, genau wie tausende andere Flüchtlinge, die nun vor der geschlossenen ungarischen Grenze warten.

LAMA – 5 JAHRE ALT




Zu Hause in Bagdad sind die Puppen, der Spielzeugzug und das Bett geblieben, über die Lama oft spricht. Die Bombe veränderte alles. Lamas Familie war auf dem Weg Essen einzukaufen, als sie ganz in der Nähe ihres Hauses einschlug. Danach war es dort nicht mehr möglich zu leben. Nach zwei gescheiterten Versuchen, das Meer von der Türkei aus zu überqueren, schaffte es die Familie an die geschlossene Ungarische Grenze. Dort schläft Lama nun auf einer Decke vor einem Wald.

WALAA – 5 Jahre




Walaa hatte ihren eigenen Raum in Aleppo. Dort hat sie nie geweint, wenn sie ins Bett musste. Im Camp weint sie jede Nacht. Ihren Kopf ins Kissen zu legen, ist furchtbar, weil die Nacht furchtbar ist, weil das die Zeit ist, in der die Angriffe passiert sind.

MOHAMMED – 13 JAHRE




Mohammed liebt Häuser. Zu Hause – in Aleppo – mochte er es, durch die Straßen zu laufen und sich die Häuser anzusehen. Jetzt sind die meisten seiner Lieblingsgebäude zerstört, in kleine Teile zersprengt. Im Krankenhausbett, in dem er nun liegt, fragt er sich, ob er es jemals schaffen wird, Architekt zu werden.

RALIA & RAHAF – 7 UND 13 JAHRE




Ralia und Rahaf leben auf der Straße in Beirut. Sie kommen aus Damaskus, wo eine Granate ihre Mutter und ihren Bruder tötete. Zusammen mit ihrem Vater schlafen sie seit einem Jahr auf dem Bürgersteig.

Mit den Bildern unterstützt der schwedische Fotograf die UNHCR – The UN Refugee Agency – die sich dafür einsetzt, Flüchtlinge warm durch den anstehenden kalten Winter zu bringen. Auf der Website der Organisation könnt auch Ihr helfen, Flüchtlinge zu unterstützen.

Montag, 23. November 2015