Ihr liebt Eurer Smartphone? Laut Amnesty International habt Ihr die kleinen Technikwunder vor allem Kinderarbeit zu verdanken

Was haben unsere Telefone mit schuftenden Siebenjährigen im Kongo zu tun? Das erklärt der neuste Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Irgendwie ist es ja keine große Überraschung: Dass wir – im reichen Europa – im Überfluss leben, muss für Menschen in anderen Teilen der Welt schlichtweg irgendwie Konsequenzen haben. Wie genau die aussehen können, zeigt ein heute veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. In Minen im Kongo sollen schon Siebenjährige unter lebensgefährlichen Bedingungen schuften und das alles, damit wir immer mobil und stetig erreichbar sind.

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Was genau haben unsere Smartphones nun also mit Kinderarbeit im Kongo zu tun?

Die meisten Akkus von Smartphones funktionieren mit Kobalt, einem Mineral dass weltweit am meisten in der demokratischen Republik Kongo gefördert wird. Der Stoff ist für den reichen Westen so wertvoll, dass Männer, Frauen und Kinder in Kobalt-Minen im Kongo täglich ihr Leben aufs Spiel setzten, um das begehrte Mineral zu fördern. Unicef geht von ca. 40.000 Minderjährigen Arbeitern in den Minen des Kongos aus. Viele ziehen sich dabei – für einen Hungerlohn von ca. 2 US-Dollar pro Tag – dauerhafte Lungenschäden zu. Doch bei Verletzungen bleibt es nicht: Allein im Südkongo sollen zwischen September 2014 und Dezember 2015 mindestens 80 Bergleute gestorben sein, das geht aus dem Bericht von Amnesty International hervor.

Woher weiß ich, ob auch mein Smartphone von Kinderarbeit profitiert?

Ihr habt ein iPhone, ein Samsung oder ein Telefon von Sony? Dann könnt auch Ihr Euch nicht sicher sein, dass Eurer Telefon nicht mit Hilfe von Kinderarbeit produziert wurde, denn große Elektronikhersteller wie Apple, Samsung oder Sony konnten gegenüber der Organisation nicht garantieren, dass in ihren Produkten kein Kobalt aus Kinderarbeit enthalten ist. Grund genug für Amnesty die Unternehmen öffentlich anzuklagen.

Kommt Kobalt nur in Batterien von Smartphones vor?

Nein, auch für Akkus von Tablets und Laptops wird meistens Kobalt verwendet. Auch in Autobatterien kommt das Mineral vor. Kobalt ist der Grundstoff für viele Geräte, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Das macht ihn für unsere Gesellschaft so bedeutsam.

Woher hat Amnesty International seine Informationen?

In Zusammenarbeit mit Afrewatch interviewte die Organisation rund 90 Arbeiter in den kleinen Minen und erfragte so ihre Arbeitsbedingungen.

Welche Konsequenzen folgen aus dem Bericht von Amnesty International?

Kobalt gelangt aus den Minen, über Zwischenhändler, zu den Batterieherstellern. Amnesty fordert von den Elektroherstellern, dass sie in Zukunft sicherstellen, dass sie Kobalt nur aus Minen beziehen, die nachweislich auf Kinderarbeit verzichten. Dass kann laut der Menschenrechtsorganisation nur mit Hilfe der kongolesischen Regierung geschehen. Die soll in Zukunft durch gezielte Kontrollen dafür sorgen, dass Rechte am Arbeitsplatz und Sicherheitsstandards von den Minenbetreibern eingehalten werden. Dass das bald geschehen wird, ist fraglich, da die Regierung des Kongo heute alle Vorwürfe der Organisation zurückwies.

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Was bleibt, ist die Frage, was jeder von uns, mit dieser Information anfangen kann und soll. Es ist sicher wichtig, dass Hersteller und Regierungen in Zukunft mehr dafür tun, dass sich Kinder nicht in staubigen Minen zu Tode arbeiten müssen. Aber auch wir als Konsumenten können durch die Dinge in unserem Einkaufskorb einen Teil dazu beitragen, dass vielleicht irgendwann mal kein Kind mehr auf der Welt seine Gesundheit für unser Smartphone opfern muss.

Dienstag, 19. Januar 2016