Die Macht des Rollentauschs: In diesem Virtual Reality-Film kann jeder Rassismus am eigenen Leib erfahren

Weiße Polizisten gegen schwarze Täter? Warum wir dank VR auf eine tolerantere Welt hoffen können.

Empathie ist ein mächtiges Gefühl – sich in das Gegenüber hineinversetzen zu können, ist eine wichtige Fähigkeit, um sich erfolgreich durch den sozialen Dschungel zu navigieren. Doch selbst der Mitfühlendste Mensch stößt irgendwann an seine Grenzen: Wenn Vater oder Mutter eines engen Freundes stirbt, jemand auf Grund seines Aussehens diskriminiert wird oder auf Grund des Geschlechts belästigt wird, dann kann man sich vielleicht vorstellen, wie es dem anderen geht, wirklich wissen kann man es aber nicht.

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Bis jetzt! Denn dank Virtual Reality ist es nun gar nicht mehr nötig, sich in den anderen hineinzuversetzen, man wird einfach zur anderen Person. Wie mächtig dieser Perspektivwechsel ist, zeigt der Film ‘’Perspective; Chapter 2: The Misdemeanor’’ – ein Gemeinschaftsprojekt von Filmemacherin Rose Troche und dem Virtual Reality-Pionier Morris May, der gerade auf dem Sundance Film Festival in New York gezeigt wird. Die Story folgt zwei jungen, schwarzen Männern, die von zwei weißen Polizisten festgenommen werden. Zuschauer können dabei sowohl die Perspektive der Männer, als auch die der Polizisten einnehmen. Vier Videos von jeweils fünf Minuten länge können dafür angesehen werden – Reihenfolge egal. Jedes Video erzählt die Geschichte dabei nicht nur aus einer anderen Perspektive, sondern verrät auch unterschiedliche Details über die Story – beispielweise, ob die jungen Männer tatsächlich einen Diebstahl begangen haben oder nicht.

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Ein geniales Konzept – vor allem wenn man daran denkt, wie eingefahren die Diskussionen über Rassismus – in den USA vor allem in Sachen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen – auch bei uns in Deutschland häufig sind. Bestes Beispiel – Vorurteile und Hass gegenüber Flüchtlingen. Filmprojekte wie dieses, sollen genau das verändern und einen Austausch über solche Themen anstoßen. Ein Rollentausch hilft nicht nur, die Situation eines anderen Menschen besser zu verstehen, sondern zeigt vor allem eins: Die Dinge sind niemals schwarz-weiß, man muss nicht eine Seite oder die andere wählen, wichtig ist es offen darüber zu sprechen.

Schon im vergangenen Jahr hatten die Filmemacher mit einem VR-Projekt für Aufsehen gesorgt: “*Perspective; Chapter 1: The Party*” zeigt eine Vergewaltigung auf einer Colllege-Party aus Perspektive des Opfers und der Täter. Eine Erfahrung, die unser Verständnis für die Welt völlig verändern kann, denn wenn wir Dinge aus der Ich-Perspektive erleben, bekommen sie eine völlig andere Bedeutung für uns, erklärt Filmemacherin Troche im Interview mit MTV News:“Im Fernsehen sehen wir ständig, wie Leute erschossen werden und das berührt uns überhaupt nicht. Aber wenn du das Gefühl hast, du stehst wirklich auf einer Straße und schaust nach rechts und da wird gerade dein Bruder von einem Polizisten erschossen, dann ist das eine sehr einschneidende Erfahrung, die etwas in dir verändern wird.

Dienstag, 26. Januar 2016