Eine tolle neue Indieband aus Chemnitz - wahrscheinlich hätte die Hälfte von Euch bereits an dieser Stelle aufgehört zu lesen. Wen interessiert's?! Spannend sind andere Dinge. Wie kommt es also, dass Ihr nun aber doch auf dieser Seite gelandet seid? Und das auch noch, um etwas über Kraftklub zu erfahren?

Über Kraftklub wird geredet. Auf allen Kanälen, im ganzen Land und fast immer nur Gutes. Dabei ist die Entstehungsgeschichte der Band mit K so langweilig, dass die Jungs sie noch nie erzählt haben. Laut eigener Aussage versteht sich. Stattdessen tischen sie uns folgende Story auf: Sie hätten früher gemeinsam bei McFit trainiert und dann angefangen für die Atzen aus dem Studio Musik zumachen. So soll also alles begonnen haben. Na, dann hätten sie uns ja auch gleich die richtige Geschichte erzählen können. Ach übrigens, Sänger Felix ist überzeugt: "Der schönste Ort, um zu lügen, sind die Medien."

2009: Hip Hop und Heimat - Kraftklub starten

Fakt ist: Kraftklub haben 2009 auf dem Splash! gespielt. Deutschlands größtem Hip Hop-Festival. Ohne Bekanntheitsgrad. Ohne nicht einmal ein einziges Demo veröffentlicht zu haben. Und als Gitarrenband. Es funktionierte trotzdem. Und im Prinzip ist das alles, was man wissen muss. Denn es verrät uns mehr über die Ursprünge von Kraftklub als eine gefakte Künstlerbiographie je an aus den Fingern gesogenen Rock'n'Roll-Gerüchten in die Welt setzen könnte.

Kraftklub bot sich damals eine Riesenchance, resultierend aus ihren Kontakten zur Chemnitzer Szene. Hip Hop-Szene muss man dazusagen. Und auch, dass das Splash! früher am Stausee Oberrabenstein bei Chemnitz stattfand (und nicht wie heute in Gräfenhainichen, auf dem Gelände des Melt!). Wer nun noch weiß, dass Kraftklub-Sänger Felix Brummer einst als Rapper "Bernd Bass" sein Unwesen trieb, kann eins und eins zusammenzählen.

Rückblende: Kraftklub-Sänger Felix als Rapper "Bernd Bass"

Linus und BerndBass live at AJZ Chemnitz from thomas prochaska on Vimeo.

Natürlich haben auch die anderen vier Jungs von Kraftklub eine musikalische Vergangenheit. Englisch-sprachiger Indierock war ihr Ding. Als "Neon Blocks" waren sie in Chemnitz und Umgebung bekannt. "Neon Blocks"-Bassist Till Brummer ist der Bruder von "Bernd Bass" und der Rest dürfte klar sein. Dass der Nachname der beiden in Wirklichkeit Krummer ist, verrät uns das letzte Geheimnis über Kraftklubs musikalischen Background: Die Eltern von Till und Felix, Ina und Jan Krummer, sind Mitbegründer der bekannten DDR-Elektropop-Gruppe "AG. Geige". Da keine künstlerische Verbindung zu Kraftklub besteht, haben ihre Söhne den Familiennamen für PR-Zwecke kurzerhand geändert.

Lokalpatriotismus, live und das Scheißen auf Genres

Letzendlich hat Kraftklubs starke Verbundenheit zur Heimatstadt die Jungs also aufs Splash! geführt. Und der unbändige Wille, so oft wie möglich live zu spielen. Wir haben hier zwei ganz zentrale Punkte, die Kraftklub als Band verinnerlicht und die sie so populär gemacht haben, wie sie es nun zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Mit K" bereits sind. Lokalpatriotismus und die Überzeugung, neue Songs immer zu allererst vor Live-Publikum zu testen gehören zur Maxime von Felix und Co.

Ein weiteres Kraftklub-Erfolgsgeheimnis tut sich auf, wenn man einen Blick auf die Geschichte nach dem Splash! wirft. Die Band tauchte da in so ziemlich allen wichtigen deutschen Hip Hop-Blogs auf. Und wurde wahlweise als Neuerfindung oder Todesstoß des Genres bezeichnet. Doch wer denkt überhaupt noch in Kategorien wie Genres?! Kraftklub haben es wohl noch nie getan und deshalb werden sie anno 2012 auch nicht auf dem Splash!, sondern auf dem Hurricane-Festival spielen.

2010: Ins Rampenlicht gestellt

Angestachelt durch die überwiegend positive Resonanz brachte das Quintett Anfang 2010 die EP "Adonis Maximus" auf den Markt. Zum allerersten mal gab es Kraftklub nun auf Platte. Mit der vollen Rauheit einer Independent-Produktion. Bei diversen Radiosendern kam das gut an und auf einmal fanden sich Kraftklub beim New Music Award, einem Contest der ARD-Rundfunkanstalten, wieder.

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Mit einer Mischung aus Unbekümmertheit, Draufgängertum, gewaltiger musikalischer Energie und gewinnendem Wortwitz entschieden Kraftklub das Ding für sich. Und wurden schlagartig vom Rampenlicht der Bühne ins Blitzlichtgewitter der Presse gezerrt. Daran gewöhnen konnten sie sich nur langsam. Wie ein MTV-Interview vom Oktober 2010 zeigt:


Trotz des plötzlichen Fames blieb die wirkliche Leidenschaft der Band der direkte Kontakt zu den Fans. Krafktklub zogen sich in die Konzerthallen des Landes zurück und begannen, massiv zu touren. Sowohl mit Fettes Brot als auch mit Casper. Letzterer taucht auch im Clip zum Kraftklub-Song "Eure Mädchen" auf und tut dort, was auf Tour angeblich Standard war: Er knutscht hemmungslos mit Gitarrist Steffen.

2011: Der Hype ist da

Trotz guter Medienpräsenz und Gigs mit großen Namen starteten Kraftklub als Geheimtipp ins Jahr 2011. Dieser Status änderte sich auch nicht wesentlich, als die Jungs im März mit den Beatsteaks auf Tour gingen. Doch einen Schritt Richtung Mainstream-Publikum wagte die Band dann doch. Als Vertreter ihres Bundeslandes Sachsen - Stichwort: Lokalpatriotismus - gingen sie bei Stefan Raabs BuViSoCo an den Start. Mit "Ich will nicht nach Berlin" landeten sie auf einem guten fünften Platz und erklärten auf charmante Art und Weise ihre Abneigung gegenüber Hipes und Hipstertum. Dass sie selber gerade begonnen hatten, das nächste große Ding zu werden, haben sie da wahrscheinlich schon geahnt.

Auf der "Autobahn zur Hölle" rasten sie in Blitzgeschwindigkeit als Headliner durch prall gefüllte Hallen und hinterließen beachtliche 77 Konzerte auf ihrer Jahresbilanz 2011. Als sie am 17. Dezember an ihrer letzten Station, der ausverkauften Show im Berliner Fritzclub, ankamen, hatte die Band bereits jegliche körperlichen Grenzen überschritten und musste nach vierzig Minuten von der Bühne gehen. Natürlich nicht, um noch einmal für die letzte Zugabe des Jahres zurückzukommen. Dass sie in der ganzen Zeit noch immer kein Debütalbum veröffentlicht haben, macht die Sache etwas unheimlich. Seit dem 20. Januar 2012 ist "Mit K" nun endlich überall erhältlich. Lasst den Hype beginnen!

Kraftklub

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© Tim Kloecker

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  • © Philipp Weiser

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Gepostet: 27.01.2012